New York (dpa) l Börsensturz, Geldnot, eine Pleitewelle droht: In Nordamerikas Cannabis-Industrie macht sich nach dem Rausch der vergangenen Jahre Katerstimmung breit. Trotz des Booms im Zuge der Legalisierung in Kanada und etlichen US-Bundesstaaten wurden die hohen Erwartungen vieler Unternehmer und Anleger bislang nicht erfüllt. Inzwischen deutet sogar einiges auf eine Investitionsblase hin. Ist die Luft schon wieder raus aus dem Trendthema?

Die Hoffnungen waren enorm – dafür gab es auch gute Gründe. Im Jahr 2018 ließen zuerst der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat Kalifornien und dann Kanada Marihuana als Genussmittel zu. Damit öffneten sich die bislang weltweit größten Märkte für legalen Anbau und Handel der Droge, was einen Ansturm von Investoren auslöste. Die Aussicht auf hohe Renditen lockte Milliarden an Anlegergeld an.

Diverse Promis rührten die Werbetrommel für Cannabis-Firmen – von American-Football-Legende Joe Montana und Hollywood-Schauspielern wie Whoopi Goldberg oder Woody Harrelson über Ex-Boxchampion Mike Tyson bis hin zu Rapper Snoop Dogg sowie Erben von Reggae-Ikone Bob Marley und Silicon-Valley-Starinvestor Peter Thiel. Doch das vergangene Jahr brachte die Branche mit Wucht auf den Boden der Realität zurück.

Was sind die Gründe für den Absturz? In den USA ist Marihuana zwar mittlerweile in 33 Bundesstaaten zu medizinischen Zwecken oder ganz erlaubt, doch unter dem Bundesgesetz nach wie vor verboten. Solange sich dies nicht ändert, stehen Cannabis-Firmen vor Problemen. Banken, Versicherer und Finanzdienstleister machen einen Bogen um die Branche. In Krisenzeiten kommt noch ein weiterer großer Nachteil hinzu.

Denn wegen des Verbots unter dem Bundesgesetz können die Unternehmen auch keinen Gläubigerschutz unter dem Insolvenzrecht beantragen. Und die Situation scheint bereits prekär. Laut Finanzdienst Bloomberg erhalten nur noch die stärksten Firmen frische Mittel an den Kapitalmärkten. Einem Dutzend kleinerer Unternehmen drohe 2020 die Pleite, zitiert Bloomberg einen anonymen Manager aus der Branche.

Schwarzmarkt ist angesagt

In Kanada blieb der erhoffte Andrang auf legales Marihuana bislang schlichtweg aus. Umfrageergebnisse der Regierung zeigen, dass im dritten Quartal lediglich 28 Prozent der Konsumenten Marihuana auf legalen Wegen besorgten. Der Großteil setzt offenbar – wie übrigens auch in Kalifornien – weiter auf den Schwarzmarkt, wo die Preise günstiger sind. Der legale Handel kommt nur schwer in Gang, bisher entstanden deutlich weniger Cannabis-Läden in Kanada als erwartet.

Die Zustimmung der Amerikaner zur Legalisierung war nie höher, so dass sich Präsident Donald Trump mit einer harten Linie gegen Cannabis wohl keinen Gefallen täte. Einer CBS-Umfrage zufolge sprachen sich 2019 rund 65 Prozent der Erwachsenen in den USA für legales Marihuana aus – ein Höchstwert. Mit dem Abgang von Trumps erstem Justizminister Jeff Sessions ist indes ein großes Risiko verschwunden. „Gute Menschen rauchen kein Marihuana“, hatte Sessions festgestellt.