Magdeburg (dpa) l Die Pläne der Landesregierung zur Unterstützung der dürregeplagten Landwirtschaft werden konkreter: Betroffene Bauern können insgesamt mit bis zu 15 Millionen Euro Nothilfen rechnen. Das sagte Finanzminister André Schröder (CDU) der Deutschen Presse-Agentur. Auf diese Größenordnung stelle er sich ein. Das entspreche den Hilfen, die bei der vorherigen Dürre im Sommer 2003 ausgezahlt worden seien. Schröder wiederholte die Forderung, dass sich auch der Bund finanziell beteiligen müsse. "Je schneller und unbürokratischer der Bund hilft, desto besser für Sachsen-Anhalts Bauern."

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) hatte am Mittwoch schnelle Hilfen für Viehhalter in Aussicht gestellt und ihrerseits die Länder aufgefordert, Hilfsprogramme vorzulegen. Dann könne der Bund flankierend zur Seite stehen. Bundesweit melden die Bauern Dürreschäden. Sachsen-Anhalt dürfte zu den besonders getroffenen Ländern gehören.

Im Juli nur halb so viel Regen wie sonst

Denn es gehört auch zu den trockensten Regionen. Im Juli etwa fiel landesweit mit 25 Litern je Quadratmeter nicht einmal die Hälfte der üblichen Menge. Gleichzeitig herrscht seit Längerem Hitze mit Temperaturen weit über 30 Grad. Die Böden sind bis in eine Tiefe von mehr als einem halben Meter ausgetrocknet. Die Landwirte sprechen von einem "Ernte-Desaster" und taxieren die Einbußen auf mehr als ein Drittel beim Raps und bis zur Hälfte bei einigen Getreidearten.

Sachsen-Anhalts Agrarministerin Claudia Dalbert (Grüne) geht davon aus, dass die Schäden so gravierend sind, dass die Dürre als Naturkatastrophe eingestuft wird. Klarheit soll mit dem Erntebericht Ende August herrschen. Das ist Voraussetzung für Hilfe aus öffentlichen Kassen. Über einen Nothilfefonds sollen betroffene Bauern bis zu 80 Prozent ihrer Schäden ersetzt bekommen können, kündigte Dalbert an.

Wirtschaftsvertreter und Bauern befürchten, dass die bürokratischen Vorgaben zu Schadensnachweisen die Auszahlung der Hilfen bis weit ins nächste Jahr verzögern. Sie hatten zuletzt mehrfach auch die Möglichkeit von schnellen Soforthilfen gefordert, ähnlich wie beim Hochwasser 2013. Ein solches zweistufiges Verfahren sei denkbar und werde diskutiert, sagte Finanzminister Schröder. Dafür sei jedoch eine Einigung auf dieses Verfahren mit dem Bund nötig.

Gleichzeitig betonte er, dass öffentliche Hilfen kein Dauerzustand werden könnten. "Wenn es stimmt, was die Klimaforscher sagen, dann nehmen Dürreperioden und Starkregen zu", sagte Schröder. "Ein reflexhafter Ruf nach staatlicher Hilfe ist da kein zukunftsfähiges Konzept." Stattdessen müssten die Landwirte sich auf die Veränderungen einstellen – und die Politik sie dabei begleiten, so Schröder weiter.

Die Landwirte versuchten bereits, sich auf den Wandel einzustellen und Pflanzenarten zu finden, die mit der Trockenheit besser zurecht kämen, sagte Bauernverbands-Präsident Olaf Feuerborn jüngst in einem Interview des Senders MDR Aktuell. Aber es werde immer Ausreißerjahre geben, so wie jetzt. "Das sind Extreme, da können Sie sich nicht drauf einstellen", sagte er.