Magdeburg l Vor allem Erdöl und Erdgas tragen dazu bei, dass Russland bei den Importen ins Land auf Platz eins steht. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr Waren im Wert von rund fünf Milliarden Euro nach Sachsen-Anhalt eingeführt.

Beispiel: Die Total-Raffinerie in Leuna – das umsatzstärkste Unternehmen in Sachsen-Anhalt. Verarbeitet wird fast ausschließlich Öl, das über die sogenannte Druschba-Pipeline in die Vorratstanks nach Leuna strömt. 30.000 Tonnen Rohöl am Tag. Etwa 1300 Tankstellen erhalten ihren Nachschub aus Leuna. Die Rohölimporte aus Russland seien von zentraler Bedeutung, heißt es von Total.

Anders sieht es bei den Exporten aus: Russland wird darin von vielen anderen überflügelt. Das Land steht auf Platz 18 der Außenhandelsstatistik. Exportiert werden vor allem pharmazeutische Produkte, außerdem chemische Erzeugnisse, Kunststoffe und Maschinen. 2018 gingen Waren im Wert von 315 Millionen Euro in die Russische Föderation. 2013 waren es noch 432 Millionen.

Hindernisse für Maschinenbauer

Viele Unternehmen im Osten haben traditionell enge Beziehungen zu Russland. Seit 1950 war die DDR Mitglied im Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW), dem Wirtschaftsbündnis der sozialistischen Staaten. Die RGW-Staaten sollten durch eine „internationale sozialistische Arbeitsteilung“ wirtschaftlich gestärkt werden. Spätestens nach den politischen Umwälzungen 1989 war das System am Ende. Der RGW-Verbund wurde 1991 aufgelöst.

Ein heute international aufgestelltes Unternehmen, das auf diese Weise eng mit Russland verbunden war, ist FAM aus Magdeburg. Als Teil eines Kombinats gab es enge Verflechtungen mit der Sowjetunion, sagt Waldemar Wiens, Projektleiter Vertrieb beim Förderanlagenhersteller. Heute ist Russland ein Partner unter vielen. Für 2018 verzeichnet Wiens immerhin Aufträge im Umfang von 20 Millionen Euro.

Ein anderer Maschinenbauer aus Sachsen-Anhalt, der schon vor der Wendezeit gute Kontakte zu Russland unterhielt, ist die Oddesse Pumpen- und Motorenfabrik in Oschersleben (Landkreis Börde). Der Standort hat eine über 120-jährige Tradition im Pumpenbau. Nach Russland gehen laut Geschäftsführer Thomas Schmidt heute vor allem Pumpen für die Wasserwirtschaft. 45 Prozent des Umsatzes macht Oddesse mit dem Export in 50 Länder weltweit. Rund zehn bis zwölf Prozent davon entfallen auf Russland.

Wann enden Sanktionen?

Für andere Maschinenbauer barg das Russland-Geschäft in den vergangenen Jahren Hindernisse. Von der EU waren gegenüber Russland 2014 Sanktionen als Reaktion auf die Annexion der Krim verhängt worden. Der Maschinenbauer Vakoma aus Magdeburg exportierte zu großen Teilen Produkte nach Russland und in Anrainerstaaten. Infolge der Sanktionen brachen die Geschäfte 2015 massiv ein, das Unternehmen musste den Gang in die Insolvenz antreten. Unterdessen gelang der Neustart.

Viele ostdeutsche Maschinenhersteller seien aufgrund ihrer engen wirtschaftlichen Beziehungen zu osteuropäischen Märkten von den Sanktionen betroffen gewesen, sagt Reinhard Pätz, Geschäftsführer beim Verband der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA-Ost).

Seit Sanktionsbeginn hätten Hersteller in Russland deutlich Marktanteile verloren. Wettbewerber wie China hätten diese Anteile übernommen. Nach fünf Jahren Sanktionen bewege sich zu wenig, kritisiert Pätz. „Die Wirtschaft darf nicht auf unbestimmte Zeit als Mittel zum Zweck benutzt werden.“

Der deutsch-russische Handel ließ in den ostdeutschen Ländern in den vergangenen fünf Jahren stärker nach als im Westen. In den fünf ostdeutschen Ländern waren es 28,7 Prozent (in Westdeutschland um 17 Prozent). In Sachsens brach er gar um 72,5 Prozent ein, in Sachsen-Anhalt waren es 24 Prozent.

Näher am Osten

Die Auswirkungen der Sanktionen auf Unternehmen in Ostdeutschland waren auch im Wahlkampf vor den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen erneut Thema. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sprach sich für einen schrittweisen Abbau aus. Widerhall findet er vor allem im Osten. Auch Sachsen-Anhalts Regierungschef Reiner Haseloff (CDU) mahnte kürzlich eine zügige Lösung an. Haseloff wies auf die besondere Belastung der ostdeutschen Wirtschaft hin. Viele Unternehmen hätten bis zu den Sanktionen auf einen wachsenden Markt im Osten gesetzt.

Experten erwidern, die Sanktionen seien nur einer von vielen Gründen für den Rückgang der Exporte. Problem sei die generelle Krise der russischen Wirtschaft und das Sinken des Ölpreises. Dass den Menschen im Osten Russland noch immer nahe liegt, zeigt sich nicht zuletzt an einer aktuellen YouGov-Umfrage. In den Ostländern ist das Verständnis der Bevölkerung für Sanktionen besonders gering. In Sachsen-Anhalt sind nur acht Prozent für die Fortführung. Bundesweit sind es 23 Prozent.