Magdeburg l Antonio Luis Carricarte Corona hat eine Mission: Kubas Vize-Außenhandelsminister soll Unternehmen anlocken, die in dem Karibikstaat investieren. Dafür reist er um die Welt. Am Donnerstag sprach der Politiker mit Unternehmern in Magdeburg. Sachsen-Anhalts Handel mit Kuba wächst zwar. Doch noch immer gibt es Hürden.

Wolfgang März staunt nicht schlecht, als er am Donnerstagmorgen einen Tagungsraum der Industrie- und Handelskammer (IHK) Magdeburg betritt: Mehr als 30 Unternehmer sind gekommen, um über Geschäfte in Kuba zu sprechen. „Diese Resonanz hatte ich nicht erwartet. Ich bin beeindruckt“, sagt März, der Hauptgeschäftsführer der Kammer ist, einige Stunden später vor Journalisten. Neben ihm steht der stellvertretende Außenhandelsminister des Karibikstaats. Antonio Luis Carricarte Corona soll Kuba für den Handel mit der Welt öffnen. Deswegen ist er viel unterwegs. „Für gute Geschäfte muss es gute Beziehungen geben“, erklärt er. Deutschland sei für Kuba ein wichtiger Partner.

Exporte gestiegen

Auch Sachsen-Anhalts Firmen stehen in den Startlöchern für gute Geschäfte am Karibikstrand: Im vergangenen Jahr sind Waren im Wert von rund 1,9 Millionen Euro nach Kuba exportiert worden. Diese Summe ist in diesem Jahr bereits zwischen Januar und Juni erreicht worden. „Wir gehen von weiterem Wachstum aus“, sagt Andreas Müller, der bei der IHK den Bereich Außenwirtschaft verantwortet. Die Tinte unter einigen Verträgen zwischen Unternehmen aus Sachsen-Anhalt und Kuba ist bereits trocken: Der Magdeburger Vermessungsspezialist Geofly hat einen Auftrag in Höhe von 1,5 Millionen Euro ergattert. Der Anlagenbauer Achse Lateinamerika aus Staßfurt liefert Maschinen zur Nahrungsmittelproduktion im Wert von 1,8 Millionen Euro an den Inselstaat. Das Ingenieurbüro Sigma aus Halle ist dabei, einen Großauftrag an Land zu ziehen. Auch die Hochschulen und Universitäten im Land planen, ihre Kontakte weiter auszubauen.

Dabei stehen für ausländische Investoren in Kuba nicht alle Zeichen auf Grün. Die schwierigen Beziehungen zu den USA machen dem sozialistischen Staat noch immer zu schaffen. Donald Trump hatte die Sonnenscheinpolitik seines Vorgängers Obama gegenüber dem Karibikstaat beendet. Der US-Markt vor der Haustür bleibt den Kubanern wegen des Handelsembargos der Vereinigten Staaten gegen die Insel verschlossen. „Das ist schlimm für Kuba, aber eine Chance für unsere Wirtschaft“, sagt Wolfgang März.

Kubas Wirtschaft spielt mit den Exportwaren Zigarren, Rum und Nickel auf dem Weltmarkt nur eine Nebenrolle. Doch Antonio Luis Carricarte Corona und seine Kollegen am Kabinettstisch haben ehrgeizige Ziele. „Für unser Wachstum brauchen wir Investoren“, erklärt er. Rund zwei Milliarden Euro sollen ausländische Geldgeber investieren – jedes Jahr.

China wirbt mit staatlichen Finanzierungen

Hürden gibt es noch bei der Finanzierung. Vielen kubanischen Unternehmen fehlt das Geld, um große Aufträge auszugeben. Für Kredite werden deshalb oft jahrelange Rückzahlungen vereinbart. „Bislang haben unsere Unternehmen ihr Geld aber immer bekommen“, sagt März. „Die Kubaner sind zuverlässig.“ Hürden bestehen auch, sobald Banken mit im Boot sitzen. Viele Geldhäuser schrecken noch immer vor dem Kreditgeschäft mit Kuba zurück. Das erschwert die Finanzierung von Projekten. Zuletzt hatten die USA immer mal wieder hohe Strafen gegen Banken verhängt, die Geschäfte mit Kuba gemacht hatten.

Die Konkurrenz aus Asien, versucht die Situation zu nutzen. Anbieter aus China würden in Kuba mit staatlichen Finanzierungen werben. „Die Kubaner sind deswegen geneigt, Busse aus China zu kaufen, obwohl die viel schlechter sind“, sagt Wolfgang März.