Magdeburg (dpa) l Geschäftsnachfolger dringend gesucht: Wie in anderen Branchen auch haben es Sachsen-Anhalts Apotheker immer schwerer, einen Nachfolger zu finden. "Junge Apotheker scheuen zunehmend das Risiko der Selbstständigkeit", sagte der Präsident der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt Jens-Andreas Münch der Deutschen Presse-Agentur.

Er sehe dafür verschiedene Ursachen. "Die wirtschaftliche Perspektive ist momentan schwer abschätzbar, unter anderem wegen der Konkurrenz durch Versandapotheken", sagte Münch. Hinzu komme die demografische Entwicklung, vor allem in ländlichen Gebieten. Auch die Work-Life-Balance spiele gerade für Jüngere eine immer wichtigere Rolle. Viele wechselten in Tätigkeitsgebiete außerhalb der Apotheke und ließen sich zum Beispiel mit gut bezahlten Jobs in die Industrie locken.

Die Zahl der Apotheken im Land geht der Kammer zufolge immer weiter zurück. Waren es 2009 noch 618 Apotheken, sind es laut Münch aktuell 588 (Stand Dezember 2018). Zunehmend werde als Lösung für das Nachfolger-Problem die Gründung von Filialen gesehen. Apotheker dürften bis zu drei Filialen haben. "Ende 2017 waren 23 Prozent der Apotheken Filialapotheken", sagte Münch. Mehrheitlich handelte es sich um vormals inhabergeführte Apotheken.

Konkurrenz im Internet

Unter Druck sehen sich die öffentlichen Apotheken vor allem durch die Konkurrenz aus dem Internet. "Das macht uns doch ganz schön zu schaffen", sagte der Kammer-Präsident. Bei den frei verkäuflichen Medikamenten liege deren Anteil am Gesamtumsatz inzwischen bei 17 Prozent. "In den letzten drei Jahren steigerten die Versender ihren Umsatz um zehn Prozent pro Jahr", sagte Münch. Bei den verschreibungspflichtigen Medikamenten liege der Umsatz der Internet-Apotheken noch bei nur einem Prozent. Bei den derzeitigen Rahmenbedingungen erwartet Münch allerdings einen deutlichen Anstieg.

"Die deutschen Apotheken machen über 80 Prozent ihres Umsatzes mit Rezepten. Diese wandern zunehmend zu den Versandapotheken", so der Präsident. Ausländische Versandhandelskonzerne dürften rezeptpflichtige Arzneien mit Rabatten verkaufen. Münch kritisierte, dass der Gesundheitsschutz auf der Strecke bleibe, wenn Patienten durch finanzielle Anreize der Versender auf den persönlichen Apothekenbesuch verzichten. Die Apotheker-Verbände fordern seit längerem ein Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Medikamenten. "Immerhin in 21 von noch 28 EU-Ländern gilt das Verbot", sagte Münch.

"Anders als die Apotheke vor Ort müssen ausländische Versandhandelskonzerne keine persönliche Beratung anbieten, Notdienste leisten, individuelle Rezepturen herstellen oder bestimmte Arzneimittel für den Notfall ständig bereit halten", sagte Münch. Auch an die weiteren strengen Anforderungen des deutschen Gesetzgebers zu den Räumen und dem Personal einer Apotheke müssten sie sich nicht halten. "Ob Notdienst, individuelle Rezeptur, Notfallarzneimittel oder dringendes Antibiotikum, und alles mit persönlicher Beratung – fast jeder benötigt solche Leistungen irgendwann." Es sei gut, wenn dann eine Apotheke vor Ort helfen könne.