Magdeburg l Mehr als 300 Millionen Euro Umsatz hatte FAM in guten Jahren gemacht, 2018 war es etwas mehr als die Hälfte. Das Unternehmen mit 100-jähriger Tradition steckt bereits seit Längerem in einer sehr ernst zunehmenden Krise. Als die Banken im letzten Jahr damit drohten, Kredite nicht zu verlängern, war der Druck immens. Eine Forderung der Kreditinstitute: Ein Management-Profi von außen soll zumindest vorübergehend an die Spitze der Geschäftsführung. In solchen Fällen klingelt auch bei Britta Hübner das Telefon.

Der Druck war sehr groß

Die Ostwestfälin hat sich in der Branche in einen Namen gemacht und bereits mehrfach angeschlagene Unternehmen durch die Krise geführt. Die Aufgabe, den Magdeburger Mascheinenbauer FAM wieder wettbewerbsfähig zu machen, fand sie sofort spannend. „Ich mache meinen Job mit Leidenschaft, auch bei der FAM.“

Im Unternehmen war die Ankunft von Britta Hübner vor einem Jahr mit gemischten Gefühlen aufgenommen worden. „Jeder, der meinen Namen googelt, weiß, dass es mit der Firma nicht zum Besten stehen kann“, so die 47-Jährige. Damit die 700 Mitarbeiter am Standort Magdeburg nicht zu viel Sorge um die Zukunft ihres Unternehmens haben müssen, setzt Hübner auf Kommunikation, informiert die FAM-Beschäftigten regelmäßig, macht Gesprächsangebote. „Zu meinem Business-Frühstück kann wirklich jeder kommen und Fragen stellen“, so Hübner. Sie teilt sich die Aufgaben in der Geschäftsführung mit Christian Jäschke.

Nicht alle der bestehenden Führungskräfte wollten bei der komplizierten Sanierung aber mitziehen. „Natürlich gab es auch schmerzhafte Trennungen“, so Hübner. Die meisten der Mitarbeiter würden die Neuerungen aber begrüßen.

Dazu gehört zum Beispiel ein angemessenes Controlling, das bei FAM laut Hübner in den Jahren zuvor nicht effektiv gearbeitet hatte. Auch den kaufmännischen Bereich hat Hübner gestärkt. „Jetzt arbeiten die verschiedenen Abteilungen bei FAM wieder eng zusammen.“ Das gilt insbesondere auch für die Vertriebsabteilung von FAM, die Hübner umstrukturiert hat.

In Deutschland gibt es nur wenige Firmensanierer - Frauen sind praktisch nicht darunter. Bis auf Britta Hübner. Ein Vorteil? „Ich kann als Frau durchaus direkter sein. Natürlich beherrsche ich auch den diplomatischen Weg, eine gewisse Direktheit ist aber oft für alle Beteiligten hilfreich.“

Zuhause ist Hübner in nahe München, pendelt am Anfang und Ende jeder Woche nach Magdeburg, wohnt hier im Hotel. Zuhause wartet ihre Familie auf sie. „Das ist natürlich nicht einfach, aber mein Mann unterstützt mich sehr“, so Hübner.

Nicht wettbewerbsfähig

Bereits 2017 hatte FAM damit begonnen, die Sanierung des Unternehmens einzuleiten. Mitarbeiter wurden entlassen, es musste gespart werden. FAM war nicht mehr wettbewerbsfähig, das musste sich ändern. „Die bisherige Sanierung des Unternehmens verlief weitgehend geräuschlos und vor allem erfolgreich“, so Hübner. Ob FAM tatsächlich gerettet ist, wird sich laut Hübner im kommenden Jahr endgültig zeigen. Die Entwicklung sei aber bereits jetzt sehr positiv. Dennoch seien die Moderniesierungsmaßnahmen noch nicht abgeschlossen.

Eine davon ist der Ausbau des Auslandsgeschäftes, was bei FAM traditionell von großer Bedeutung ist. So setzt Hübner auch auf Nordafrika als Markt. „Wir müssen vor Ort sein, sonst bekommen wir in dieser Region der Welt keinen Fuß in die Tür.“ FAM macht mit dem Geschäft in Deutschland zehn Prozent des Umsatzes, mehr dagegen vor allem in Nord- und Südamerika. Asien steht ebenfalls im Fokus: In Indien wurde Mitte des Jahres eine Tochtergesellschaft eröffnet. In Europa waren es zuletzt mehrere Hafenanlagen, die nach St. Petersburg geliefert wurden. „Wir müssen in Magdeburg die Flexibilität schaffen, die Märkte der Welt zu bedienen.“

Dafür sucht das Unternehmen intensiv nach Fachkräften, die unter anderem auch Fremdsprachen beherrschen.