Berlin (dpa/sj) l Die deutschen Landwirte müssen ab Anfang kommenden Jahres die Kastration von Ferkeln ohne Betäubung einstellen. Im Bundesrat scheiterte am Freitag ein Gesetzentwurf, mit dem der umstrittene Eingriff für eine Übergangszeit weiter ermöglicht werden sollte.

Bayern hatte fünf Jahre zusätzlich Zeit gefordert, hat aber schon im Fachausschuss keine Mehrheit für diesen Gesetzentwurf gefunden. Niedersachsen schlug zwei Jahre vor. Zusätzlich lagen Initiativen von Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern vor, die nicht explizit für eine neue Frist sind.

Für Verschiebung geworben

Auch der Bauernverband hatte angesichts der ohnehin schwierigen wirtschaftlichen Lage vieler Schweinehalter dringend für eine Verschiebung geworben. Der Verband verwies darauf, dass keine praktikablen Alternativverfahren zur Verfügung stünden.

Bilder

Das Tierschutzgesetz lässt die chirurgische Kastration ohne Betäubung bei unter acht Tage alten männlichen Schweinen nur noch bis zum 31. Dezember dieses Jahres zu. Ab 1. Januar 2019 muss ein Verfahren angewandt werden, das Schmerzen wirksam ausschaltet. Sofern das nicht möglich ist, müssen die Tierhalter auf eine chirurgische Kastration verzichten. Die Ferkelkastration wird für notwendig gehalten, da männliche Schweine andernfalls den als unangenehm empfundenen Ebergeruch entwickeln.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) warf dem Bundesrat am Freitag Blockadehaltung vor. Nunmehr sei „zu befürchten, dass viele Betriebe in Deutschland aufgeben müssen“, erklärte DBV-Präsident Joachim Rukwied. Der Bundestag sei gefordert, schnell eine Lösung zu suchen, „damit die deutschen Ferkelerzeuger eine Zukunft haben und im europäischen Wettbewerb mithalten können“. Der Verband fürchtet einen Import von Ferkeln, wenn in Deutschland nicht mehr ohne Betäubung kastriert werden darf.

Tierschützer protestieren

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hätte es nach Angaben einer Sprecherin begrüßt, wenn sich die Länder auf eine befristete Verlängerung des Verbots verständigt hätten. Zwar sei der Tierschutz wichtig. Es sei niemandem damit getan, wenn die betroffenen Landwirte dessen Vorgaben nicht umsetzen könnten. Jetzt könne nur noch der Bundestag eine Korrektur herbeiführen.

Zu Beginn der Bundesratssitzung protestierten am Freitag Tierschützer vor dem Gebäude der Länderkammer für die Beibehaltung der Neuregelung. Zur Frage, wie die Pflicht zur schmerzfreien Ferkelkastration künftig umgesetzt werden kann, leiteten Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern dem Bundesrat Entschließungsanträge zu, die in die Ausschüsse verwiesen wurden.

Das Ende für die umstrittene Methode war bereits mit der Reform des Tierschutzgesetzes 2013 beschlossen worden.