Magdeburg l Bis zum Jahr 2022 suchen in Sachsen-Anhalt 3000 Familien-Unternehmen mit insgesamt rund 44.000 Mitarbeitern einen neuen Firmenlenker. Und: 18.000 Unternehmens­chefs sind momentan älter als 55 Jahre. Das sagte am 22. März 2018 Wolf-Dieter Schwab, Geschäftsführer der Bürgschaftsbank, in Magdeburg.

Er halte die Situation für „sehr problematisch“, erklärte er. Vor allem für kleinere Betriebe werde es schwer, einen neuen Chef zu finden. Nach der Wende habe es im Land einen wahren Gründergeist gegeben, sagte Schwab. „Das waren echte Pioniere.“ Doch der Geist von damals „ist heute nicht mehr da“.

Mangelndes Eigenkapital

Als eine Schwierigkeit bei der Unternehmensnachfolge gelten insbesondere überzogene Preisvorstellungen des Alt-Besitzers und auch mangelndes Eigenkapital des Interessenten.

Angesichts dessen legen Bürgschaftsbank und Mittelständische Beteiligungsgesellschaft weiter einen Schwerpunkt auf dieses Thema. Schwab sagte: „Solange die Nachfolge nicht geklärt ist, wird sich ein Unternehmer schwertun mit weiteren Investitionen.“ Diese „Investitionsbremse“ wolle man durch gezielte Förderung lösen. Allein im vorigen Jahr wurden 43 Nachfolgen mit Bürgschaften und Beteiligungen (Kapitalumfang: 17,3 Millionen Euro) begleitet. Das waren 17 Fälle und 6,5 Millionen Euro mehr als noch 2016. Davor hatten die Förderinstitute 18 Nachfolgen unterstützt.

Das Wirtschaftsministerium setzt mit dem sogenannten Nachfolgefonds – über diesen werden Darlehen ausgereicht – oder der Meistergründungsprämie Anreize, um die Unternehmensnachfolge zu sichern.“

Investitionen von 94,2 Millionen Euro

Nach eigenen Angaben ermöglichten Bürgschaftsbank und MBG 2017 in der mittelständischen Wirtschaft Investitionen in Höhe von 94,2 Millionen Euro. Knapp 1900 Arbeitsplätze wurden so gesichert oder neu geschaffen.

2016 lag die Summe bei 75,7 Millionen Euro; gut 2700 Jobs wurden gesichert oder geschaffen.

Die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft geht seit Jahresbeginn erstmals offene Beteiligungen (maximal 500.000 Euro) an Unternehmen ein. Im Unterschied zur stillen Beteiligung übernimmt sie damit direkt Gesellschafteranteile und wird Miteigentümer am Unternehmen. Die Minderheitsbeteiligung beträgt höchstens 24,9 Prozent des Gesellschafterkapitals. Davon sollen junge innovative Unternehmen und eben auch Unternehmensnachfolger profitieren, sagte Geschäftsführer Heiko Paelecke. Eine offene Beteiligung der MBG mache den Kauf für den Nachfolger nicht nur erschwinglicher, sondern habe auch eine hohe Signalwirkung. Die MBG werde an Gewinnen wie an Verlusten beteiligt. Ein Engagements soll auf höchstens zehn Jahre begrenzt sein.

Bürgschaftsbank und MBG werden vor allem getragen von den Industrie- und Handelskammern sowie den Handwerkskammern in Magdeburg und Halle, von Banken, Versicherungen und Unternehmerverbänden. Bei der MBG ist zudem das Land Sachsen-Anhalt mit rund 16 Prozent beteiligt. Die Förderinstitute springen mit Bürgschaften ein (in der Regel 80 Prozent), wenn Klein- und Mittelständlern Eigenkapital oder Sicherheiten fehlen, um von den Hausbanken Kredite zu bekommen.