Magdeburg l Trotz eines Konjunkturschubs im vorigen Jahr ist in Deutschland die Zahl der Existenzgründer gesunken: Nur 557.000 Menschen haben sich selbstständig gemacht – so wenige wie noch nie. Im Vergleich zu 2016 ist das ein Minus von
17 Prozent.

Im Bundesvergleich ist Sachsen-Anhalt das Schlusslicht. Das geht aus dem gestern veröffentlichten Gründungsmonitor der staatlichen Förderbank KfW hervor. Von 2015 bis 2017 wurden hierzulande 60 Gründungen je 10.000 Einwohner registriert. Zwischen 2014 bis 2016 waren es noch 76 Gründungen. Sachsen-Anhalt liegt damit mit Abstand am Ende des Rankings. An der Spitze stehen Berlin und Hamburg mit jeweils 207 Gründungen. Dort sind Medien- und IT-Branche stark vertreten.

Brandenburg profitiert

Auf Rang drei kommt Niedersachsen (141 Gründungen). Zugelegt hat nur Brandenburg (plus 15 auf 125 Gründungen). Das Land profitiert von der Dynamik Berlins und macht einen großen Sprung von Rang 15 auf Platz acht.

Doch auch in den Boom-Regionen wagen immer weniger Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit. Die KfW-Experten begründen das vor allem mit dem leer gefegten Arbeitsmarkt; auch Gründer haben zunehmend Probleme, Mitarbeiter zu finden. „Die Rekordzahlen bei offenen Stellen zeigen, wie angespannt die Personaldecke bei vielen Unternehmen ist", heißt es im Monitor.

Geringere Kaufkraft

Wie auch in anderen ostdeutschen Flächenländern sehen die Experten die geringe Gründungsquote in Sachsen-Anhalt auch begründet durch die im Durchschnitt geringere Kaufkraft. Zudem wirke sich die ältere Bevölkerungsstruktur negativ aus, da die Gründungsneigung in der Regel mit dem Alter abnehme.

Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) sagte: „Sachsen-Anhalt ist keine Gründerhochburg. Das muss sich ändern. Die Basis dafür sei 2017 gelegt worden – etwa mit dem Start der Meistergründungsprämie im Handwerk, dem Fonds für Firmennachfolgen und der ausgebauten Start-up-Förderung. Auch die Novellierung des Hochschulgesetzes ziele darauf, die Gründerlandschaft zu stärken. Geplant ist, die wirtschaftliche Betätigung von Hochschulen und Wissenschaftlern zu erleichtern. Dies soll zu mehr innovativen Ausgründungen aus der Wissenschaft führen. „Wir haben also die Weichen gestellt, damit der Gründer-Zug jetzt Fahrt aufnimmt – und das wird sich in den nächsten Jahren in den Rankings zeigen", sagte Willingmann.

Weniger potenzielle Existenzgründer

Warum steht Sachsen-Anhalt bei Startups schlecht da? Willingmann: „ Wenn – wie derzeit – die Konjunktur brummt und der Arbeitsmarkt floriert, suchen viele Menschen lieber eine Festanstellung als selbst ein Unternehmen zu gründen." Und: „In Sachsen-Anhalt gibt es immer weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter – und damit auch weniger potenzielle Existenzgründer.