Potsdam/Magdeburg l „Dynamische Preise“ (Dynamic Pricing) heißt das Zauberwort, mit dem Onlinehändler ihre Gewinne optimieren wollen. Der Kunde, der im Internet nach einem Produkt sucht, ahnt meist nicht, dass der angezeigte Preis nicht der einzige ist, für den die Ware vom Händler feilgeboten wird.

Tatsächlich ändern viele Online-Händler ihre Preise häufig und drastisch – um immer den höchstmöglichen Preis zu erzielen. Wieviel er bezahlt, ist dann für den Kunden nur Glückssache. Das hat die Verbraucherzentrale Brandenburg herausgefunden. In einer gestern veröffentlichten Studie nahmen die Verbraucherschützer die Preise von mehr als 1100 Produkten 34 Tage lang unter die Lupe. Es wurden 16 deutsche Online-Händler, darunter Zalando, Mediamarkt, DocMorris, Obi und Douglas, untersucht. Das Ergebnis: 15 der 16 Händler änderten die Preise regelmäßig.

Bei knapp 40 Prozent der untersuchten Produkte drehten Händler im Untersuchungszeitraum an der Preisschraube. In zwei Drittel der Fälle bis zu dreimal, bei 36 Prozent bis zu 15 Mal und bei vier Prozent sogar bis zu 32 Mal in gut einem Monat.

Preissteigerungen von bis zu 100 Prozent

Die Höhe der Preisänderungen war dabei signifikant: 30 Prozent der veränderten Preise schwankten mindestens um 20 Prozent oder verdoppelten sich sogar. Spitzenreiter bei der absoluten Verteuerung: Ein Samsung-Handy aus dem Online-Angebot von Mediamarkt, das eine Preisschwankung von 220 Euro hinlegte. Eine Hose der Marke G-Star verteuerte sich beim Onlinehändler Zalando von 80 auf 200 Euro.

„Der Kunde kann nicht einschätzen, ob er bei seinem Kauf gerade spart oder draufzahlt.“, erklärt Teamleiterin Kirsti Dautzenberg vom Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale Brandenburg. „Zudem hat er keinen verlässlichen Referenzpreis mehr, an dem er den Wert eines Produkts bemessen kann.“ Der Handel könne sich mit seinen Experimenten selber schaden, so die Einschätzung der Verbraucherschützer, wenn zu viele Kunden das System erkennen und das Vertrauen in die Seriösität der Preise verlieren.

Für den Händler bedeutete Dynamic Pricing ein ausgeklügeltes System der Gewinnoptimierung. Preise werden angepasst, weil sich Kunden zu bestimmten Tageszeiten kauffreudiger zeigen. Zum Abend oder am Wochenende werden die Preise zum Beispiel häufig höher, weil dann viele Kunden kaufen. Wenn aber die Konkurrenz um den Kunden eh schon groß ist, kann ein Produkt auch zu ungewöhnlichen Zeiten oder tageweise günstiger werden.

Sogar die Monopolkommission – ein Beratergremium der Bundesregierung – dringt auf eine Beobachtung der Preisbildung im Internet. Algorithmen könnten zu höheren Preisen führen, warnen die Experten.

Auch der stationäre Handel experimentiert bereits mit dem Modell: Lebensmittelhändler Rewe sowie Elektronikketten Mediamarkt und Saturn haben bereits 2015 begonnen, ihre Filialen auf elektronische Preisschilder umzurüsten, auf denen Preise in Sekundenschnelle geändert werden können.

Zum Kommentar "Online-Kunden sollten Preise prüfen" von Katharina Buchholz