Halle (dpa) l Die Wirtschaft im Süden Sachsen-Anhalts betrachtet die beschlossene Neuauflage einer großen Koalition in Berlin mit "tiefer Besorgnis". Das teilte die Industrie- und Handelskammer (IHK) Halle-Dessau am Montag mit. Zwar sei es zu begrüßen, dass es nach monatelanger Hängepartie jetzt eine Regierung gebe, die gestalten könne statt nur zu verwalten, erklärte Hauptgeschäftsführer Thomas Brockmeier am Montag. "Allerdings weckt der Koalitionsvertrag einige Zweifel, ob die schwarz-rote Regierung tatsächlich auf Wachstumskurs geht."

So sei bei vielen Zielen wie einer stärkeren Zuwanderung von Fachkräften, besserer Berufsorientierung und einer Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen nicht klar, wie die Koalitionäre das Ziel erreichen wollten, so Brockmeier. Wettbewerbsfähigkeit lasse sich nicht politisch verordnen und werde vor allem für energieintensive Industrie erschwert, wenn die Energiewende teuer bleibe. Optimismus falle der Wirtschaft vor diesem Hintergrund schwer.

Am Sonntag hatte die SPD verkündet, dass sich in einem Mitgliedervotum zwei Drittel für eine weitere große Koalition unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ausgesprochen hatten. Damit machte auch die letzte Koalitionspartei den Weg für die Neuauflage frei.