Halle (dpa) l Handwerk, Handel und Industrie in Sachsen-Anhalt sind alarmiert: Immer weniger junge Menschen zwischen Arendsee und Zeitz interessieren sich für einen Ausbildungsberuf. „Hatten wir 2008 noch rund 1000 Auszubildende, die Koch werden wollten, so waren es im vergangenen Jahr nur noch 200“, sagte die Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Halle-Dessau, Carola Schaar, am Freitag in Halle.

Um gegenzusteuern, haben die IHK und die Handwerkskammer Halle einen Forderungskatalog aufgestellt, mit dessen Umsetzung die Lage verbessert werden soll. So sollen unter anderem Jugendliche gezielter über Karrieremöglichkeiten im dualen Ausbildungssystem informiert und Schulfächer mit wirtschaftlichen Inhalten gestärkt werden.

Bürokratie kritisiert

„Nach dem Orkantief „Friederike“ mussten viele Leute feststellen, dass es nicht einfach war, einen Dachdecker zu bekommen“, verwies Handwerkskammerpräsident Thomas Keindorf auf ein anderes Beispiel. Im Vergleich zum vergangenen Jahr hätten vor zehn Jahren noch deutlich mehr Lehrlinge den Beruf ergriffen. Wenn aber der Nachwuchs fehle, dann fehlten später die Gesellen, die Meister und diejenigen, die etwa ein Unternehmen übernehmen könnten. „Wir wollen unseren heutigen Appell deshalb auch durchaus als Alarmruf verstanden wissen“, so Keindorf.

Es müsse aber nicht nur mehr über die Chancen im Handwerk gesprochen werden, zugleich müssten Betriebe sich auf die Ausbildung konzentrieren können. Stattdessen hätten sie mit bürokratischer Überregulierung zu kämpfen und würden mit ständig steigenden Zusatzkosten belastet, betonte Keindorf. Nur ganz am Rande ging es darum, dass viele Branchen sich auch Gedanken darüber machen müssten, durch bessere Löhne attraktiver zu werden.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion appellierte an das Bildungsministerium, bei der Berufsschulnetzplanung die Kritik zu berücksichtigen und den Berufsschülern keine immer längeren Schulwege zuzumuten.