Wernigerode (dpa) l Starkregen, Hochwasser, Stürme und Personalnot: Trotz einiger Turbulenzen mit teilweisen Zugausfällen und Schäden am Streckennetz haben 1,06 Millionen Fahrgäste in 2017 ein Ticket für die Züge der Harzer Schmalspurbahnen (HSB) gelöst. "Wir hatten mit einigen unerwarteten Widrigkeiten zu kämpfen", sagte HSB-Geschäftsführer Matthias Wagener am Dienstag in Wernigerode. "Zufrieden sind wir aber trotzdem." Am beliebtesten sei abermals die Fahrt im historischen Dampfzug auf den 1141 Meter hohen Brocken gewesen – mehr als 600.000 Reisende seien im Vorjahr auf den Berg gefahren. Gut drei Viertel des Jahresumsatzes in Höhe von 13 Millionen Euro werden laut Wagener aus dem Brockenverkehr generiert.

Mit der Harzquerbahn im Bereich Nordhausen seien im Vorjahr rund 262.000 Reisende und mit der Selketalbahn 89.000 Fahrgäste unterwegs gewesen. Hinzu kamen mehr als 55.000 Fahrgäste in 218 Sonderzügen, hieß es.

Vom 1. März an werde das Fahrvergnügen für Dampflok- und Schmalspurfans erneut teurer. So müssten für die Hin- und Rückfahrt auf den Brocken künftig 43 Euro statt 41 Euro gezahlt werden, gleichzeitig könne mit einem neuen Nachmittagsticket für 37 Euro gespart werden. "Wir wollen damit Anreize für diejenigen schaffen, die nicht in den stark frequentierten Vormittagsstunden auf den Brocken fahren wollen", sagte Wagener. Auch in den Tarifen der Harzquer- und Selketalbahn gebe es teils Preisanpassungen, hieß es.

Preise steigen wegen Instandhaltungskosten

Grund für die Erhöhungen seien die erheblichen Aufwendungen, um das Schmalspurstreckennetz, die alte Technik, die Infrastruktur und den Service auf einem hohen Niveau beziehungsweise Stand zu halten. So seien in 2017 unter anderem 1,8 Kilometer Gleise erneuert worden, in diesem Jahr werden es 2,6 Kilometer sein. "Es gilt die Faustregel: ein Kilometer kostet eine Million Euro", sagte Wagener. Mittlerweile seien Gleissanierungen doppelt so teuer wie noch vor sieben Jahren. 

Sorgenfalten treibe den HSB-Verantwortlichen der Fachkräftemangel auf die Stirn. Im vergangenen Jahr mussten erstmals in der mehr als 25-jährigen Geschichte des Bahnunternehmens auf Teilstrecken Busse statt Züge fahren. Vier Monate lang habe man einen extremen  Personalmangel verkraften müssen, die HSB sucht beispielsweise dringend Heizer. Personalgewinnung stelle eine immer wichtigere Herausforderung für die Zukunft dar.

In diesem Jahr stünden eine Reihe von Investitionen an. Wichtigster Meilenstein sei eine neue Dampflokwerkstatt in Wernigerode, deren Bau noch in 2018 beginnen soll. Diese sei für die Instandhaltung des historischen Triebfahrzeugparks im eigenen Haus äußerst wichtig.