Magdeburg l Es ist eines der größten landwirtschaftlichen Projekte der vergangenen Jahre in Sachsen-Anhalt: In Osterweddingen bei Magdeburg wollten der niederländische Unternehmer Jorg van der Wilt und weitere Gesellschafter in einem riesigen Gewächshauskomplex Tomaten, Paprika und Erdbeeren für heimische Supermärkte produzieren. 13 Millionen Euro nahm die Investorengruppe für den High-Tech-Komplex, so groß wie fast sieben Fußballfelder, in die Hand.

Die Bedingungen schienen günstig: Als Partner gewannen die Unternehmer das benachbarte Glaswerk F-Glass. Zum Vorteil beider Seiten wollten die Gemüsebauern die dort bei der Glasproduktion anfallenden enormen Mengen Abwärme für die Pflanzenproduktion nutzen. Nur gut ein Jahr nach Beginn der Produktion ist das Projekt jetzt allerdings in schweres Fahrwasser geraten: „Die Betreiber haben Ende Juli Insolvenz angemeldet", bestätigte am Mittwoch Susanne Grefkes, Sprecherin der vom Amtsgericht Magdeburg mit der Vermögensverwaltung beauftragten Kanzlei „Schultze und Braun".

Betroffen sind demnach drei Gesellschaften der sogenannten Joris-Gruppe, die jeweils getrennt für den Anbau sowie den Vertrieb zuständig waren. Als Grund für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nannte die Insolvenzverwaltung hohe Bau- und Energiekosten, die deutlich über den veranschlagten Beträgen gelegen hätten. Der Betrieb ruht derzeit. Von der Insolvenz betroffen sind 18 Mitarbeiter.

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Jorg van der Wilt selbst wollte sich auf Volksstimme-Anfrage am Mittwoch nicht zu den Hintergründen der Insolvenz äußern. Insider berichten unterdessen auch von Missmanagement und ungeklärten Verhältnissen zwischen den beteiligten Gesellschaftern. Jörg Methner, Bürgermeister der Gemeinde Sülzetal, zu der Osterweddingen gehört, sagte, er selbst sei von der Nachricht überrascht worden. „Das war schon etwas unter der Gürtellinie." Eine Mitarbeiterin in verantwortlicher Position habe ihn vor etwa vier Wochen nur mündlich über die Schwierigkeiten informiert.

Bei einem Ortstermin wollte Methner am Mittwochnachmittag mit Verwaltungsmitarbeitern und einem Vertreter der Investoren über die Zukunft des Projekts sprechen. „Wir sind überzeugt, dass es weitergeht", sagte er.

Die Investorengruppe hatte ursprünglich mehr als 50 Arbeitsplätze und noch im Frühling eine deutliche Erweiterung der Anbaufläche angekündigt. Insolvenzverwalter Rüdiger Bauch sagte: Nach einer ersten Analyse der wirtschaftlichen Situation prüfe man derzeit Sanierungsoptionen. Es gebe reges Interesse an einer Übernahme. „Schon jetzt befinden wir uns mit zehn Investoren im Gespräch." Für die Großinvestition hatte mindestens eine Firma der Joris-Gruppe, die Joris Gewächshäuser GmbH, eine Förderung aus dem Agrarinvestitionsförderprogramm des Landes bekommen. Ob die Gelder zurückzuzahlen sind, blieb gestern offen.

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