Oldenburg/Berlin (dpa) l Das trockene und heiße Wetter belastet die Bauern. Der Deutsche Bauernverband hatte angesichts der Trockenheit vor teils erheblichen Ernteausfällen gewarnt. Der Landesverband Sachsen-Anhalt sprach vergangene Woche von „desaströsen Erträgen“. Bundesverbands-Präsident Joachim Rukwied bekräftigte in der „Passauer Neuen Presse“ am Sonnabend für ganz Deutschland: „In einigen Regionen ist die Lage existenzgefährdend.

Bis zu 20 Prozent weniger Getreide als im Mittel vieler Jahre, mancherorts sogar weniger als die Hälfte der üblichen Erntemenge könnte die Folge sein. Die Politik müsse helfen. Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) sorgt sich vor allem um Raps und Getreide: „Mein Ministerium prüft nach Abschluss der Ernte eingehend das Ausmaß der Ernteschäden.“ Doch was heißt das für die Preise von Nahrungsmitteln? Müssen Verbraucher jetzt mit steigenden Preisen rechnen? Ein Überblick:

Getreide

Besonders im Norden und Nordosten Deutschlands klagen die Landwirte über zu trockenes Wetter. Die Ernte musste früher beginnen, obwohl die Körner in vielen Fällen noch nicht ausreichend gereift und damit zu klein sind. Laut Bauernverband liegt die Ernte mit 41 Millionen Tonnen unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. „Wir haben nicht nur in Norddeutschland Trockenheit, sondern im ganzen baltischen Raum, in Osteuropa, in der Schwarzmeer-Region“, sagt Herbert Funk von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Dennoch drohe keine Knappheit. Er rechne damit, dass die Weltmarktpreise steigen, aber nicht sehr stark.

Mehl

Ob sich die schlechte Getreideernte auch auf die Brotpreise auswirkt, kann der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks noch nicht beantworten. Der Mehl- beziehungsweise Getreideanteil in Backwaren sei von Produkt zu Produkt unterschiedlich. Preiserhöhungen seien von vielen Faktoren abhängig und könnten von Unternehmen zu Unternehmen variieren, sagt Mathias Meinke für den Zentralverband.

Milchvieh

Auch viele Milchbauernhöfe in Norddeutschland leiden unter dem trockenen Wetter. Das von den Wiesen gemähte Grünfutter sei nicht so nährstoffreich wie notwendig, sagt Mathias Klahsen, Referent bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Die Situation sei regional sehr unterschiedlich. Allerdings verringere sich bei Temperaturen über 18 Grad Celsius auch die Milchleistung der Kuh. Die Landwirte müssten also mit geringeren Erträgen und höheren Futterkosten kalkulieren.

Milchpreise

Butter koste derzeit relativ viel, weil die Nachfrage gut sei, so Andreas Gorn von der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft in Bonn. Die Preise ändern sich häufig. Für Trinkmilch und Frischmilchprodukte werden sie mit den Erzeugern in halbjährlichen oder jährlichen Verträgen festgeschrieben. Experten gehen davon aus, dass zum Herbst hin die Milchpreise wieder steigen werden, vor allem wegen der starken Nachfrage nach Butter. Preissteigerungen wegen geringerer Milchmengen sind derzeit nicht absehbar.