Halle (dpa) l  Bei der Wahl der Berufe stehe der Dienstleistungsbereich vorn, erklärte ein Sprecher der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit. Insgesamt hatten sich bis November 714 junge Menschen aus dem Ausland um eine Berufsausbildung in Sachsen-Anhalt beworben. Damit habe sich die Zahl im Vergleich zu 2015 mit damals 247 Kandidaten 2019 etwa verdreifacht.

Die Bewerber stammen den Angaben nach aus Syrien, Afghanistan und dem Iran, aus Eritrea, Serbien, Polen, dem Kosovo, der Türkei, aus Vietnam und der Russischen Föderation. Laut der Regionaldirektion waren im Land im September diesen Jahres noch 45 ausländische Interessenten ohne Ausbildungsplatz. Die Gründe seien in der Regel, wie auch bei deutschen Bewerbern, vor allem auf individueller Ebene zu suchen, teilte ein Sprecher mit.

Insgesamt bewarben sich in diesem Jahr bei den Arbeitsagenturen in Sachsen-Anhalt 10 936 junge Menschen um eine Berufsausbildung. Im Vergleich zu 2015 mit 12.816 Bewerbern waren es rund 1900 Kandidaten weniger. Hingegen meldeten Arbeitgeber allein in diesem Jahr 12.955 Ausbildungsstellen, etwa 250 mehr als im Vorjahr.

Hintergrund ist der demografische Wandel, wonach Sachsen-Anhalt mehr Menschen im Ruhestand als Nachwuchs hat. Vor allem Fachkräfte werden laut Arbeitsmarktexperten händeringend gesucht. Allerdings gelten Hilfsarbeiten, bei denen junge Menschen sofort Geld verdienen können, zunächst lukrativer als eine mehrjährige Berufsausbildung.

"Ein besonderes Interesse an ausländischen Bewerbern für eine Berufsausbildung besteht im gewerblich-technischen Bereich, zum Beispiel im Handwerk", sagte der Sprecher der Regionaldirektion. Dies seien auch die Bereiche, die eine besonders große Nachfrage an Fachkräften haben. Wichtig dafür sei die berufsbegleitende Sprachausbildung. In Sachsen-Anhalt gebe es zudem viele transnationale Projekte, zum Beispiel gemeinsam mit Initiativen von den Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern, um Auszubildende und Mitarbeiter aus dem Ausland zu bekommen.