Bonn l Der Prozess schien unumkehrbar. Mineralwasser wird in Deutschland überwiegend in Kunststoffflaschen abgefüllt und verkauft. Alle Bemühungen des Gesetzgebers, eine Begrenzung des Kunststoff-Anteile durchzuführen, schienen vergeblich. Möglich wäre wohl nur ein gesetzliches Verbot gewesen, aber ob dies nach EU-Recht haltbar gewesen wär, ist fraglich. Doch nun dreht sich der Wind: Die deutschen Mineralbrunnen haben 2019 rund sechs Milliarden GDB-Mehrwegflaschen für Mineralwasser und Mineralwasser-Erfrischungsgetränke abgefüllt, wie die Genossenschaft Deutscher Brunnen eG (GDB) in dieser Woche mitteilte.

Damit war im vergangenen Jahr jede dritte Flasche im Mineralwassermarkt eine segannte Poolflasche der GDB. Im Glas-Mehrwegbereich legte das Füllvolumen der Poolgebinde um 5,4 Prozent auf rund 2,75 Milliarden Liter zu, während auf den PET-Mehrwegbereich rund 2 Milliarden Liter und damit 5,5 Prozent weniger als 2018 entfielen. Dieser Trend überrascht, weil gerade die PET-Mehrwegflasche einst das Pfandsystem für Mineralwasser, Limonaden und Cola retten sollte. Viele Kunden störten sich am vergleichsweise hohen Gewicht der klassischen Wasserkästen mit Glasflaschen und wechselten zum Kunststoff.

Connaisseure, also Kenner und Liebhaber der Materie in einer Person, lehnten Mineralwasser in Plastikflaschen ohnehin immer kategorisch ab. Sie glauben und schmecken, dass der Kunststoff den Geschmack des reinsten Getränks verfälscht. Und auch ein Unternehmen in Sachsen-Anhalt hat seinen Anteil am Wiederaufstieg der Wasser-Glasflasche. Bei der BA Glass Germany GmbH in Gardelegen werden auch Mehrwegflaschen für das GDB-System produziert.

Während eine GDB-Plastikflasche rund 25 Mal wiederverwendet wird, hält eine GDB-Glasflasche sogar 50 Runden von Abfüllung, Reinigung und Wiederbefüllung durch. Dann kann sie zu 100 Prozent für eine neue Glasflasche wiederverwendet werden. Aus der Sicht für einen sparsamen Rohstoff-einsatz, Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind und bleiben sie wohl die beste Lösung.