Magdeburg l Volkswagen, Audi, BMW, Opel und Daimler – die großen Autobauer setzen in den kommenden Wochen ihre Produktion in Europa aus. Ziel ist es, die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern.

Die Bänder stehen still – auch die Zulieferer gehen in den Krisenmodus über. Ifa in Haldensleben erwartet „massive Einschränkungen“ für die Werke. Am Stammsitz in Haldensleben soll für einen Großteil der Mitarbeiter Kurzarbeit eingeführt werden. Wann genau, das ist noch nicht klar. Zudem würden „alle erforderlichen Maßnahmen in die Wege geleitet, um die Liquidität zu sichern“, heißt es von Ifa. Prüfen wolle man finanzielle Ausgleichsmöglichkeiten, die von Bund und Ländern bereit gestellt werden.

Ifa liefert an alle großen Hersteller in Europa, Asien und Nordamerika Antriebswellen und Gelenke. Größter Kunde ist Daimler. Neben dem Stammsitz in Haldensleben wird in den USA und Polen produziert. Ifa geht von Einschränkungen dort aus. Im Werk in Shanghai war die Produktion nach den behördlich angeordneten verlängerten Neujahrsferien Mitte Februar wieder angelaufen. Vor Tagen noch hatte sich Geschäftsführer Arno Haselhorst trotz erschwerter Bedingungen mit den Abrufen der Kunden zufrieden gezeigt.

Der laufende Restrukturierungsprozess sei nicht gefährdet, hieß es. Der Produktionsstopp bei den Herstellern war da noch nicht absehbar. Sicher ist jetzt schon: Es werde länger dauern, die Verbindlichkeiten abzubauen, sagt Haselhorst. Was die derzeitige Situation für den eingeschlagenen Kurs bedeutet – im Moment sei das noch schwer zu sagen, heißt es von Ifa. Das Unternehmen aus Haldensleben war in der Vergangenheit in finanzielle Schieflage geraten und sollte bis 2022 saniert werden.

Für viele andere Autozulieferer im Land kommten die Corona-Pandemie und die Maßnahmen der Autohersteller zur Unzeit. Rund 300 Betriebe mit 26.000 Beschäftigten gibt es in Sachsen-Anhalt. Einige mussten zuletzt bereits kämpfen. Etwa der Autozulieferer Pressmetal mit Werk in Hoym musste Insolvenz anmelden. Das Mansfelder Aluminiumwerk, das Bänder, Bleche oder Stanzteile unter anderem für die Autoindustrie produziert, hatte kürzlich erklärt, die Sanierung in Eigenverwaltung angehen zu wollen.

Bei Nemak aus Wernigerode gibt es seit dem vergangenen Jahr bereits zeitweise Kurzarbeit. Weil die Hersteller die Produktion herunterfahren, muss die Fertigung im Harz angepasst werden. Ab kommender Woche werde der überwiegende Teil der Belegschaft voraussichtlich in Kurzarbeit gehen, sagt Geschäftsführer Frank Lehmann. In Wernigerode arbeiten 650 Beschäftigte. Produziert werden Zylinderköpfe für die Autoindustrie.

Für Axel Weber, erster Bevollmächtigter der IG Metall Magdeburg-Schönebeck, längst kein Einzelfall: Lieferketten reißen ab, die Abrufe der Kunden brechen ein. „Kurzarbeit wird sich bei den Zulieferern nun wie ein Lauffeuer verbreiten.“ Dass in den Werken der Autohersteller die Notbremse gezogen wird, hält Weber aber für richtig. Für das Kurzarbeitergeld brauche es nun dringend genaue Durchführungsbestimmungen, fordert er.

Auch der Maschinenbauer-Verbund Inteb-M aus Barleben hatte vor zwei Wochen Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden müssen. Miteigentümer Felix von Nathusius sieht eine verschärfte Situation für alle Zulieferer. Bei Symacon, H&B Omega sowie IZM-Polycast werde aber weitergebaut, sagt er. Schon länger versucht die Gruppe, die Abhängigkeit von der Autoindustrie zu reduzieren. Der Anteil von Kunden aus dem Automobil-Sektor wurde zuletzt von 80 auf unter 50 Prozent gedrückt.

Auch bei Thyssenkrupp Presta in Schönebeck dürfte bald Kurzarbeit anstehen. Im Werk werden Lenkungskomponenten hergestellt. Die Produktabrufe der Kunden - etwa Daimler und BMW - bleiben aus, darauf muss sich das Unternehmen einstellen. Der Zulieferer treffe derzeit Vorbereitungen zur Einführung von Kurzarbeit an den deutschen Standorten, heißt es vom Sprecher. Die ersten Werke würden voraussichtlich in der kommenden Woche damit starten. Thyssenkrupp hat in Sachsen-Anhalt einen weiteren Standort in Ilsenburg.