Frankfurt/Main (aw/dpa) l Arbeitgeberverbände in Sachsen-Anhalt beklagen einen zunehmenden Mangel an Experten in technischen Berufen: „Ingenieure und Facharbeiter sind immer schwerer zu finden“, sagte Sprecher Jan Pasemann gestern der Volksstimme. „Sie sind jedoch häufig elementar, wenn es um die Ausrichtung und Weiterentwicklung der Firma und ihres Geschäftsmodells geht.“

Ähnlich äußerte sich die Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau. Sie verwies auf eine Umfrage unter Unternehmen zur Bewältigung des Strukturwandels nach dem Kohleausstieg. Demnach erklärten 68 Prozent der Firmen, für die Bewältigung des Wandels brauche es dringend ingenieurwissenschaftliche Kompetenz. Am häufigsten suchten die Betriebe demnach Ingenieure für die Energie- und Elektrotechnik, die Kunststoffherstellung sowie den Fahrzeug- und Maschinenbau.

Anlass für die Äußerungen sind aktuelle Zahlen der Deutschen Maschinenbauer. Laut Branchenverband VDMA suchen viele Firmen trotz der aktuellen Konjunkturflaute händeringend nach Ingenieuren.

Bundesweit sind demnach 6500 Stellen nicht besetzt. Dabei beschäftigt die deutsche Schlüsselindustrie so viele Ingenieure wie nie seit 1955. Laut einer Erhebung des VDMA sind es aktuell 199 800 Frauen und Männer, 9200 mehr als bei der Auswertung vor drei Jahren.

Jeder Zweite ist im Bereich Forschung, Entwicklung und Konstruktion beschäftigt. „Wir sind die Nummer eins als wichtigster Ingenieurarbeitgeber“, sagte VDMA-Präsident Carl-Martin Welcker. Auch wenn Handelskonflikte, Konjunkturabkühlung und Strukturwandel in der Autoindustrie die Branche belasten, rechnet Welcker nicht mit einer nachlassenden Nachfrage nach Ingenieuren. „Dazu ist der Bedarf viel zu groß.“ Nachholbedarf gebe es aktuell unter anderem im IT-Bereich. „Bei Maschinenbauingenieuren und auch Elektroingenieuren steuern wir mittelfristig auf eine Lücke zu.“

Der Bewerbermangel bei Ingenieuren drohe, sich zur Innovationsbremse für die Maschinenbauer auszuwachsen, warnte Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer. Der Umfrage zufolge konnte jeder dritte Job nur mit Verzögerung besetzt werden. „Stellen bleiben durchaus mal ein Jahr offen“, sagte Rauen. „Dabei sind wir eine attraktive Branche mit interessanten Tätigkeiten und guten Gehältern.“ Das Einstiegsgehalt von Ingenieuren im Maschinenbau liege im Schnitt bei 52 100 Euro jährlich. Laut der Umfrage, an der sich rund 320 Maschinenbauer beteiligten, erwarten 64 Prozent der Firmen einen Mangel an Ingenieuren. Vor drei Jahren waren es 51 Prozent der Befragten. Zugleich rechnen 54 Prozent der Firmen bis 2024 mit steigendem Bedarf an der Berufsgruppe.

Hintergrund des Trends dürfte auch die Entwicklung an den Universitäten sein: „Die Studierendenzahlen in Deutschland wachsen nicht mehr“, sagte Magdeburgs Universitäts-Rektor Jens Strackeljan zum Thema. Insbesondere in den für Magdeburg profilgebenden Studiengängen wie Maschinenbau und Elektrotechnik setze sich die seit Jahren zu beobachtende rückläufige Tendenz fort. Waren 2014/15 noch fast 2200 Studierende über alle Maschinenbaustudiengänge hinweg eingeschrieben, liegt die Zahl jetzt bei etwas über 1400.

Auch bei den Absolventenzahlen schlägt sich der Trend bereits nieder. Über alle ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge  hinweg sank die Zahl von 915 im Jahr 2012/13 auf nur noch 722 im vergangenen Semester. Dabei könne die Lösung großer gesellschaftlicher Zukunftsfragen wie Mobilität und Klimakrise nur unter Mitwirkung von Ingenieuren gelöst werden, so Strackeljan.

Die Uni will sich dem Wettbewerb um junge Talente daher noch stärker als bislang stellen. Um das zu schaffen, seien etwa Bildungsevents für Schüler entwickelt worden, sagte Strackeljan. Gute Argumente für ein Ingenieurstudium in Magdeburg sieht er daneben in den Studienbedingungen und günstigen Lebenshaltungskosten.

Nicht zuletzt sprächen atttaktive Jobs in der Branche für ein Ingenieurstudium in Magdeburg. Zuletzt hatte etwa die Firma Fuelcon angekündigt, 200 neue Jobs in der Brennstoffzellentechnik in Barleben schaffen zu wollen.