Möser (dpa) l Der weiße Kleinbus rumpelt über einen staubigen Feldweg. Am Ende der Straße liegen ein paar Backsteinhäuser. „Hier hält nie ein Linienbus“, sagt Christel Schröder, während sie vor den Häusern des Karlshofs ihr Fahrzeug wendet. Schröder arbeitet als ehrenamtliche Fahrerin für den Bürgerbus in Möser im Jerichower Land. Der Bürgerbus soll den öffentlichen Nahverkehr ergänzen und die vielen kleinen Ortschaften rund um Möser besser anbinden – vor allem ältere Menschen ohne eigenes Auto sollen profitieren.

„Der Bürgerbus ist eine Top-Möglichkeit für alle, die nicht so mobil sind“, sagt Hartmut Dehne, der das Projekt im Verwaltungsamt der Stadt betreut. Allerdings: Rund zwei Monate nach dem Start gibt es in Möser noch Anlaufschwierigkeiten. Rund 600 Kilometer ist Christel Schröder mit dem Bus bereits gefahren. „Bislang hatte ich drei Fahrgäste“, sagt die 55-Jährige. An diesem Julitag kommt zunächst kein weiterer dazu. Auch am Karlshof will niemand einsteigen.

Fahrer müssen sich durchchecken lassen

Die Idee des Bürgerbusses entstand vor mehr als 30 Jahren in Nordrhein-Westfalen. Die Fahrer müssen einen Gesundheits- und Reaktionscheck machen, dann dürfen sie hinters Steuer. In Sachsen-Anhalt ist das erste Projekt im März dieses Jahres in Osterburg in der Altmark gestartet. Das Angebot werde langsam angenommen, sagt die Leiterin des Verwaltungsamtes, Anke Müller. Etwas mehr als 50 Fahrgäste wurden in den ersten vier Monaten gezählt. „Wir haben nach wie vor Luft nach oben“, so Müller.

Eine andere Möglichkeit bei fehlenden Linienbussen sind sogenannte Mitfahrerbänke. Dort nehmen Menschen Platz, die auf eine Mitnahme im Auto hoffen – zum Beispiel im thüringischen Lödla. „Das hat hier im Landkreis Altenburger Land eingeschlagen wie eine Bombe“, sagt Bürgermeister Torsten Weiß (CDU). Er selbst habe es schon ausprobiert und nur fünf Minuten warten müssen, bis ein Auto hielt. Positive Resonanz gebe es in der ganzen Gemeinde. Die Bank gibt es seit Dezember 2017.

Gute Erfahrungen mit den Mitfahrerbänken hat auch die thüringische Gemeinde Nahetal-Waldau gemacht. Vor allem Einwohner mittleren und höheren Alters würden die im Sommer 2017 aufgestellten Bänke inzwischen schon gut annehmen, sagt Bürgermeister Thomas Franz.

Der SPD-Politiker sieht Mitfahrerbänke als gute Ergänzung zum ÖPNV. Weniger gut klappt das in Mohlsdorf, einem Ortsteil der Landgemeinde Mohlsdorf-Teichwolframsdorf im Landkreis Greiz. „Das Angebot wird spärlich bis gar nicht angenommen“, heißt es aus der Verwaltung.

Rentnerin wünscht mehr Flexibilität

Zurück im Bürgerbus in Möser. In der Ortschaft Lostau kann Christel Schröder doch noch einen Fahrgast begrüßen. Inge Vietz ist am Morgen mit dem Bus zum Arzt gefahren, jetzt geht es zurück nach Hause. „Für mich ist der Bürgerbus genau das Richtige“, sagt die 85-Jährige, die von zu Hause zur nächsten regulären Bushaltestelle eine halbe Stunde laufen müsste. „Meine Kinder mag ich nicht ständig bitten, dass sie mich fahren.“

Schröder sieht beim Fahrplan des Bürgerbusses aber noch Raum für Verbesserungen. Sie wünscht sich, dass der Bus zielgerichteter und flexibler einsetzbar ist – zum Beispiel mit einem Haustürservice oder um Interessierte aus den Ortsteilen zu Veranstaltungen wie Sing- und Tanzabenden nach Möser zu bringen. „Da wäre noch mehr Potenzial“, sagt Schröder.