Magdeburg l Wenn es so etwas wie den Digital Native in Magdeburg gibt, heißt er wohl Lukas Bolle. Schon mit 13 schrieb der Elftklässler seine ersten PC-Programme. „Als mein Bruder anfing, Informatik zu studieren, habe ich mich infiziert“, sagt er. Infiziert – wohl keine zufällige Ausdrucksweise für einen Computer-Crack. Schon als Neuntklässler wechselte Lukas von Genthin aufs Magdeburger Werner-Siemens-Gymnasium. An der Schule mit mathematisch-naturwissenschaftlichem Schwerpunkt hat er es inzwischen weit gebracht: Der 17-Jährige leitet nicht nur die Arbeitsgemeinschaft Systemadministrator. Er ist auch Herr des Netzwerks seiner Schule.

500 Teilnehmer erwartet

Sein eigentliches Interesse aber gilt der Entwicklung künstlicher Intelligenz. „Das meiste habe ich mir selbst beigebracht“, sagt Lukas. Mit seinem Schulteam hat er einen Roboter entwickelt, der selbstständig in einem zerstörten Haus fahren und die Schwere von Verletzungen beurteilen kann. Mit dem Projekt haben Lukas und seine Mitschüler noch große Pläne. Doch der Reihe nach.

Am Montag saß Lukas inmitten von erfahrenen IT-Experten zum Auftakt der 3. Developer Days im Magdeburger Kulturhaus AMO. Bei einem „Hackaton“ genannten Programmier-Marathon maßen sich dabei IT-Cracks aus mehreren Bundesländern. Ein Auftrag: Intelligente Software-Lösungen für eine Versicherung zu entwickeln, die ihre Preise nach dem Risiko der Kundschaft kalkuliert. Gleich nebenan boten Experten Workshops zum Programmieren an. Lukas Bolle war dabei längst nicht der einzige Schüler unter den Teilnehmern. Auch Mitschüler und Freund Dominik Kunkel gehörte zu den jungen Besuchern, ebenso wie sechs Programmierer der Landesschule Pforta. Die Einbindung von Schülern gehört zum Konzept der IT-Tagung, sagt Veranstalter Michael Blume. Noch bis morgen rechnet er mit 530 Teilnehmern aus 12 Bundesländern, darunter 46 Schüler aus Magdeburg und Pforta – das wäre ein neuer Rekord. Die Idee: Erfahrene IT-Leute sollen den Nachwuchs für die digitale Arbeitswelt begeistern und wenn möglich erste Netzwerke für spätere Jobperspektiven knüpfen. Unterstützt wird die Tagung vom Verband der IT-Wirtschaft im Land. „Wir müssen Angebote finden, mit denen wir bei möglichst vielen Leuten Begeisterung wecken“, sagt Vorsitzender Marco Langhof. Angesichts einer stark wachsenden IT-Branche in Sachsen-Anhalt sei das unverzichtbar. Die Developer Days hätten sich dabei zu einem Format mit Alleinstellungsmerkmal entwickelt.

Insgesamt 35 Sitzungsangebote

Nach „Hackaton“ und Workshops am Montag wird es bei der Konferenz am Dienstag nicht mehr nur um Fragen des Programmierens gehen. In insgesamt 35 Sitzungsangeboten wollen sich die IT-Fachleute auch über Probleme des Berufsalltags oder die Vorbeugung von Burn-Out austauschen.

Ziel Weltmeistertitel

Lukas Bolle interessiert sich dennoch vor allem für die fachliche Ebene. „Die Anregungen der Developer Days sind für mich extrem hilfreich“, sagt der Autodidakt. Wenn es gut läuft, wollen er und sein Mitschüler Impulse mit in ihre Schul-AG nehmen und ihren Roboter so noch schlauer machen. Das Ziel: Der erste Platz bei den German Open des Wettbewerbs Robo-Cup Junior und später der Weltmeistertitel. Der Anspruch ist nicht eben klein, das weiß Lukas Bolle. Doch es wäre nicht das erste Mal, dass seine Schule den Titel holt. „Wir werden dort extrem gefördert“, sagt er.