Bamberg/München l Die Deutschen bestellen gerne im Internet – und schicken jedes sechste Paket wieder zurück, wie Wirtschaftswissenschaftler der Universität Bamberg ermittelt haben. 2018 seien das 280 Millionen Pakete und 487 Millionen Artikel gewesen. Bei Kleidung und Schuhen geht sogar fast die Hälfte der Pakete zurück an den Absender: „Das ist der Wahnsinn!“, sagte Björn Asdecker von der Forschungsgruppe Retourenmanagement.

Retouren oft portofrei

Artikel in drei Größen und drei Farben bestellen, einen behalten, den Rest zurückschicken – Amazon, Otto und Co. machen es den Deutschen einfach. Meistens sind die Retouren für die Verbraucher portofrei. Laut Verbraucherzentrale können sie die Ware auch ohne Originalverpackung zurückgeben, einen Grund für den Widerruf müssen sie nicht angeben. Gesetzlich vorgeschrieben sind nur 14 Tage Widerrufsfrist – im Markt üblich seien aber 28 Tage, sagte Asdecker. Und während in vielen anderen Ländern die Kunden die Ware nur per Nachnahme erhalten, also sofort Geld zahlen müssen, bestellen die Deutschen sehr viel auf Rechnung. Folge: Die Retourenquote ist hier weit höher als in den meisten anderen Ländern.

Ganz kostenlos sind die Retouren aber natürlich nicht: „Damit entstehen Gesamtkosten in Höhe von schätzungsweise 5,46 Milliarden Euro, die einerseits die Kunden durch höhere Marktpreise tragen, andererseits die Margen der E-Commerce-Händler belasten“, erklärte der Wirtschaftswissenschaftler. Und die Retouren belasten das Klima: So viel wie „täglich 2200 Autofahrten von Hamburg nach Moskau“ oder 238.000 Tonnen CO2 im Jahr 2018.

Fast 20 Euro Kosten

Eine Retourensendung verursache im Durchschnitt 19,51 Euro Kosten, die Hälfte davon für den Transport. Zwar landeten nur 4 Prozent der zurückgeschickten Artikel im Müll. Aber alles muss zunächst einmal gesichtet und bewertet werden. Immerhin 79 Prozent werden direkt wieder als A-Ware verkauft, weitere 13 Prozent als B-Ware, so die Forscher. Und 3 Prozent würden an industrielle Verwerter verkauft oder an gemeinnützige Organisationen gespendet.

Kleidung wird zwar am häufigsten zurückgeschickt, lässt sich vom Handel aber auch am häufigsten wieder als Neuware verkaufen: „Zu 91 Prozent“, sagt Asdecker. Schwieriger ist das zum Beispiel bei Unterhaltungselektronik: „Ein geöffnetes Siegel an einem Laptop kann der Händler nicht einfach ersetzen.“ Immerhin ist die Rücksendequote bei Elektronik und bei Einrichtungsgegenständen aber am niedrigsten.Laut Handelsverband Deutschland (HDE) erledigen die Deutschen heute gut ein Zehntel ihrer Einkäufe via Internet.