Berlin/Halle (dpa) l Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Ostdeutschland blickt verhalten in die Zukunft. "2019 werden wir wohl ein schwieriges Geschäftsjahr vor uns haben", sagte Nora Schmidt-Kesseler, Hauptgeschäftsführerin des Landesverbandes Nordost im Verband der Chemischen Industrie (VCI) in Berlin. Dies ziehe sich durch alle Bereiche. Hintergrund seien weltweite konjunkturelle und politische Risiken. 2018 sei ein insgesamt gutes Jahr für die Branche gewesen. Jedoch habe sich die Stimmung unter den Unternehmen auch in den neuen Ländern in der zweiten Jahreshälfte stark eingetrübt, sagte sie.

Wie die gesamte Branche in Deutschland belasten die ostdeutschen Unternehmen die Unsicherheiten durch den Brexit und den Zollstreit der USA mit China und der EU. Etwa die Hälfte der Firmen der ostdeutschen chemisch-pharmazeutischen Industrie sei exportorientiert und verdiene das Geld mit Aufträgen aus dem Ausland, erklärte Schmidt-Kesseler. Zusätzlich belasten nach den Angaben hohe Energiekosten die Unternehmen.

"Lichtblick ist für uns die Digitalisierung. Da sind wir als Branche schon ganz weit vorne und sehen noch Potenzial, um die Produktivität auszubauen und um unter Umständen auch Kosten einzusparen", sagte Schmidt-Kesseler. In den Unternehmen liefen bereits jetzt immer mehr Prozesse in der Produktion von Chemikalien und Pharmazeutika automatisiert ab.

Bundesweit richtet sich die Branche mit rund 462.000 Beschäftigten in diesem Jahr auf weniger Wachstum ein, hatte der VCI in Frankfurt (Main) erklärt. Angesichts von Handelskonflikten und einer gedämpften Weltwirtschaft wird 2019 ein Umsatzplus von 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erwartet. 2018 hatte sich der Branchenumsatz – zu 2017 – laut VCI um 4,5 Prozent auf 204 Milliarden Euro erhöht.

"Im Osten werden wir beim Umsatz 2019 etwas schwächer dabei sein. Wir rechnen mit einem leichten Plus im Vergleich zu 2018", sagte Schmidt-Kesseler. Zuletzt lag der Umsatz der Ostchemie 2017 laut Verband bei 24,9 Milliarden Euro. Der Landesverband Nordost vertritt die Interessen der ostdeutschen Chemie- und Pharmaindustrie. Die Branche hat nach eigenen Angaben in den neuen Ländern rund 55.000 Beschäftigte in rund 370 Unternehmen, darunter große Produktionsstandorte in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg. Bundesweit sind es rund 462.000 Beschäftigte in 1600 Unternehmen.