Magdeburg l Der Druck, den die Berliner Regierungskoalition auf die deutschen Autobauer ausübt, trägt erste Früchte. Fahrbare Untersätze werden zum Teil zu SchnäppchenPreisen angeboten. Renault und Opel sind bereits mit Rabattaktionen gefolgt. „Weitere Autobauer werden dem Druck von VW & Co. nicht allzu lange widerstehen können“, meint der renommierte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.

Im gerade erschienenen Rabatt-Report seines Centrums für Automobil-Forschung (CAR) wird er anhand von Beispielen konkret. „Ein neuer VW Golf Trendline wird bei Verschrottung eines Altdiesels in einer sogenannten Belastungsregion mit Spitzenrabatten bis zu 51 Prozent angeboten. In Zahlen ausgedrückt: Der Käufer muss lediglich 9263 Euro statt 18 250 Euro hinblättern.“

Sorgfältig nachrechnen

Allein dieses Beispiel belege, „wie heftig die zweite Welle im Rabattrennen nach dem Dieselfahrverbot Gestalt annimmt“.

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Auch der VW-Passat geht beinahe zu einem Schleuderpreis an die Kunden. Statt zu 31 657 Euro ist er einschließlich der Verschrottungsprämie für den Altdiesel für 14 330 Euro zu haben. Das sind satte 45 Pozent Nachlass.

Doch Dudenhöffer hebt auch warnend den Finger. „Nicht blind kaufen und sich nur auf die Worte des Händlers verlassen“, sagt er. Man müss „sorgfältig nachrechnen, denn nicht immer kommen Umweltprämien vollständig beim Kunden an.“ Einige Autohäuser versuchten, die Prämien mit anderen Aktionen zu verrechnen „und malen damit ein schöneres Bild“.

So werde bei Ford und Renaulzt teilweise die Umweltprämie mit anderen Rabatten verrechnet. Bei den Wechselprämien zeigten Beispiele von BMW und VW, dass man bei den beiden Marken „fair“ sei, indem der Wertverlust durch den Abgasskandal ersetzt werde. Dudenhöffer: „Voraussetzung ist allerdings, dass der Händler die Fahrzeuge auch zu diesen Restwerten eintauscht.“

Verunsicherte Käufer

Insgesamt, so der Verkehrswissenschaftler, herrsch ein „Prämien-Wirr-Warr und somit eine recht hohe Käuferverunsicherung“.

Im vergangenen Monat sind die Internet-Rabatte und Kundenvorteile durch die Autobauer leicht angestiegen. Noch nicht erfasst sind in dieser Einschätzung die neuen Dieselprämien, die offiziell erst in diesem Monat starten.

Die CAR-Untersuchung schaut auch auf die „Schwerpunktregionen“. BMW, Mercedes, Opel und VW-Audi haben neue Umtauschprämien für Besitzer von Dieselfahrzeugen, die in „hochbelasteten Städten“ wohnen oder arbeiten, aufgelegt. „VW-Audi und Opel haben die bereits im Sommer eingestellten bundesweiten Diesel-Umtauschprämien wieder eingeführt. Bei BMW und Mercedes werden diese Prämien weiterhin angeboten“, sagt Dudenhöffer.

In der Ausgestaltung der Prämien für diese Regionen gebe es „deutliche Unterschiede“. Während BMW und Opel die speziellen Angebote nur für die Besitzer von Alt-Fahrzeugen der eigenen Marken anbieten, sind die Prämien bei Mercedes und VW für Besitzer aller Marken offen.

Während BMW den Umkreis um die hoch belasteten Städte großzügig auf 70 Kilometer ausgeweitet hat, sind die Angebote der übrigen drei Hersteller auf Städte und die angrenzenden Landkreise beschränkt. VW und BMW tauschen auch Euro 4 oder 5 Diesel gegen Euro 6b ein. Bei Mercedes und Opel, so Dudenhöffer, werden Autos mindestens mit 6c- beziehungsweise 6d-Norm eingetauscht.