Halle l Die Bänder der Halloren AG an der Delitzscher im Osten von Halle laufen gestern Nachmittag wie eh und je. Aus einer Pistazien-Nougat-Masse entstehen gerade Mozartkugeln. „Sechseinhalb Tonnen sind es pro Acht-Stunden-Schicht", sagt Betriebsleiter Ralf Schlusnus. Die süßen Pralinen gehören neben der Kernmarke, den Halloren-Kugeln, zu den Verkaufschlagern der nach eigenen Angaben ältesten Schokoladenfabrik Deutschlands.

Verluste seit 2015

Die allerdings geht gerade durch schwierige Zeiten. Seit 2015 schreibt die Aktiengesellschaft rote Zahlen. Zuletzt trennte sich Halloren von mehreren Tochterunternehmen, auch um Kredite bedienen zu können. Ralf Wilfer, seit Oktober neuer Vorstandsvorsitzender, erwartet auch für 2019 unterm Strich noch ein Minus von 1,6 Millionen Euro. „Weitermachen wie bisher ist deshalb keine Option", sagt er gestern Nachmittag bei der Vorstellung seiner Agenda.

Bis 2020 will Wilfer die Trendwende schaffen und Halloren mit seinen rund 200 Mitarbeitern zurück in die Gewinnzone führen. Dafür setzt der studierte Wirtschaftsingenieur gleich auf mehrere Säulen. Erstens: Halloren soll seine Kernmarke, die Halloren-Kugel, wieder stärker pflegen. Das Sortiment von derzeit 15 Sorten werde man dazu deutlich straffen, sagt Wilfer. Künftig werde es nur noch fünf bis sieben Varianten geben.

Unangetastet bleiben Klassiker wie „Sahne-Cacao". Allerdings soll es auch neue Sorten geben, die sich stark an Markttrends orientieren. Bereits fest steht etwa, dass zum Sommer die Sahne-Cacao-Variante auch mit weißem Schoko-Überzug in den Regalen liegen wird, ebenso wie eine fruchtige Variante von Halloren-Kugeln mit Erdbeer-Vanille-Geschmack.

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Mehr Pep beim Design

Gleichzeitig will Wilfer „mehr Pep" bei den Verpackungen. „Unsere Produkte sind im nationalen Vergleich gut bis sehr gut, das spiegelt sich aber im Design bislang nicht wider", sagt er. Eine weitere Säule sind effizientere Produktionsabläufe. Wilfer will Fixkosten senken und schneller auf einen veränderten Bedarf reagieren können. Entlassungen von Mitarbeitern sieht der neue Chef für 2019 nicht. Allerdings dürften befristete Verträge wohl nicht verlängert werden, sagt er.

Nicht zuletzt will der neue Halloren-Vorstandschef die Zusammenarbeit mit national agierenden Handelsketten stärken. Mit Lidl und Rewe gebe es aktuell bereits „gemeinsame Aktionen", erklärt er. Der Hauptfokus soll dabei weiter auf der Region liegen. Mittelfristig will der in den alten Bundesländern eher unbekannte Hersteller aber auch im Westen stärker Fuß fassen. Wilfer könnte bei diesem Ziel zugutekommen, dass er als Ex-Chef der Solent GmbH, einer der größten Schokoladenfabriken Europas, beste Kontakte zum Handel hat. Hinter Solent steht die Schwarz-Gruppe, zu der auch Lidl und Kaufland gehören.

Geht das Kalkül auf, könnten für Halloren endlich ruhigere Zeiten anbrechen. Wegen der anhaltenden Verluste hatte das Unternehmen noch im April 2018 die gesamte Führungsmannschaft ausgewechselt. Eines passt jedenfalls schon mal: Der neue Chef liebt Halloren-Kugeln. Seine Lieblingssorte: Der Klassiker „Sahne-Cacao", sagt er.