Magdeburg l Ein neues Auto muss her. Das heißt in der Regel: Von Händler zu Händler fahren, vor Ort und im Netz Preise vergleichen und viele gebrauchte Autos begutachten. Im Zweifelsfall muss dann noch entschieden werden, ob die auserwählte Blechkiste im Internet auch wirklich die Zwei-Stunden-Fahrt zur Besichtigung am Wochenende wert ist. Gebrauchtwagenhändler hingegen müssen ihre Autos im Internet mit guten Fotos und allen erdenklichen Informationen anbieten. Das kostet Zeit. Der Markt ist umkämpft und gutes Fahrzeug-Marketing im Netz der Schlüssel zum Verkaufserfolg.

Das hat auch das Hallenser Unternehmen „Twinner“ erkannt und einen Fahrzeug-Scanner entwickelt, der die Pkw-Suche im Netz für Kunden und Händler neu definiert. Für ihre Innovation wurde die Firma gestern in Dessau mit dem Hugo-Junkers-Preis in der Kategorie „Mobilität und Logistik“ ausgezeichnet. „Diese Innovation hat das Potenzial, den Online-Fahrzeughandel zu revolutionieren“, sagte Hans-Peter Kemser, Leiter des Leipziger BMW-Werks, in seiner Laudatio.

XXL-Scanner speichert viele Daten

Doch was steckt hinter dem digitalen Zwilling ("Digital Twinn")? Mit dem „Twinner-Space“, dem XXL-Scanner, können Händler Autos digitalisieren. Visuelle Abbilder eines Fahrzeugs sind nicht neu. Viele große Händler verwenden bereits XXL-Fotokabinen auf Drehtellern für detailgetreue Bilder im Netz. Doch „Twinner“ geht noch ein Stück weiter – und liefert weitaus mehr Daten. Zusätzlich zu den Außenaufnahmen, aus denen 360-Grad-Panoramen erstellt werden können, liefert eine Sphärenkamera hochwertige Aufnahmen vom Innenraum. Bodensensoren machen Aufnahmen vom Unterboden, selbst die Reifenprofiltiefe wird dokumentiert und Nachlackierungen können Autohändler sichtbar machen. Dafür wurden eigens Software und Hardware entwickelt. Alle Daten werden professionell aufbereitet und in einem Cloud-Speicher abgelegt. Dort sind sie jederzeit verfügbar und zugleich vor dem Zugriff Dritter geschützt. Unabhängig von Ort und Öffnungszeiten können Interessenten über den Kauf entscheiden, Verkäufer das Produkt bewerben oder Gutachter Schäden einschätzen. Mehr Transparenz, mehr Sicherheit beim Autokauf.

Seit Ende 2018 ist der „Twinner-Space“ auf dem Markt - und hat sich bereits bewährt. So nutzte unter anderem die Autohaus Gotthard König Gmbh den Fahrzeugscanner bereits, um im Frühjahr rund 1000 Fiats über die Online-Pattform des Disocunters „Lidl“ zu verkaufen – mit Erfolg. Die Autos waren innerhalb kurzer Zeit komplett verkauft.

Forscherteam will Gedächtnisverlust stoppen

Neben „Twinner“ durften sich drei weitere Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen über erste Plätze in ihren jeweiligen Kategorien freuen. So sicherte sich unter anderem das Deutsche Zentrum für Neurodegenrative Erkrankungen (DZNE) in Magdeburg den Sieg in der Kategorie „Innovativste Vorhaben der Grundlagenforschung“.

Das Forscherteam will mir ihrem Projekt nicht weniger, als den Gedächtnisverlust stoppen und erforscht dazu die Behandlung von Demenz und psychischen Störungen mit natürlichen Glykanen. Das Forscherteam hat den körpereigenen Hemmstoff Glykan PolySia entdeckt. Er ist als Therapeutikum ungeeignet. Deshalb hat das DZNE einen ähnlichen Stoff gesucht und dabei bestimmte längenoptimierte Glykane identifiziert. Werden diese verabreicht, gelangen sie ins Gehirn, hemmen bei Mäusen die Rezeptoren und können das Gedächtnis wiederherstellen. In der Kategorie „Innovativste Produktentwicklung“ setzte sich mit ScobyTec zwar ein Leipziger Unternehmen durch. Die Produktion der neuartigen veganen Leder-Alternative auf Basis bakterieller Zellulose soll aber in Sachsen-Anhalt aufgebaut werden.

„Ich freue mich, dass wir die Ideengeber von morgen auszeichnen können; sie bringen Sachsen-Anhalt mit Mut und Kreativität voran“, sagte Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister. „Ganz im Sinne des Flugzeugpioniers Hugo Junkers trifft exzellente Forschung auf praxisorientierte Entwicklung und marktfähige Innovationen.“