Düsseldorf (dpa) l Viele Großstädte südlich des Mains sind einer Studie zufolge besonders wirtschaftsstark, dynamisch und gut für die digitale Zukunft gerüstet. Städte im Ruhrgebiet rutschen dagegen weiter ab, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Städtevergleich der „Wirtschaftswoche“ und des Internet-Portals Immobilienscout24 hervorgeht. „Das Städteranking untersucht die Kriterien, die eine Stadt attraktiv machen“, erläuterte Beat Balzli, Chefredakteur der „Wirtschaftswoche“.

Insgesamt untersuchte die Studie 71 Städte, darunter auch zwei aus Sachsen-Anhalt. Dabei landete Magdeburg auf Gesamtplatz 51, Halle schaffte es auf Platz 60. Als positiv wertet die Studie in Magdeburg, dass im deutschlandweiten Vergelich der Anteil der betreuten Kinder im Alter unter drei Jahren hoch ist (Rang 6) und viele Magdeburgerinnen (60,3 Prozent) in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis stehen (Rang 6). Auf Rang 1 des bundesweiten Vergleichs landete die Landeshauptstadt bei der Veränderung des Anteils der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss. Zwischen 2011 und 2016 sei dieser um 3,7 Prozent zurückgegangen. Negativ zuwuche schlug unter anderem allerdings, dass Mietwohnungen in Magdeburg durchschnittlich 35 Tage leerstünden und sich die Aufklärungsquote von Straftaten zwischen 2012 und 2017 um knapp drei Prozent verschlechterte.

Neun Ränge hinter Magdeburg platzierte die Studie Halle. Wie auch in Magdeburg bewerteten die Studienmacher unter anderem die hohe Quote der Kinderbetreuung von unter Dreijährigen (Rang 7) und die geringere Schulabbrecherquote (Rang 4) positiv. Negativ gewertet – weil im Deutschlandvergleich Schlusslicht – wurde die geringe gemeindliche Steuerkraft und die negative Entwicklung der Aufklärungsquote von Straftaten um -4,8 Prozent.

München hingegen landete das sechste Jahr in Folge auf dem Siegertreppchen bei der Wirtschaftskraft, gefolgt wie schon 2017 von Ingolstadt und Stuttgart. Unter den Top zehn der 71 kreisfreien größeren Städte sind auch Erlangen, Wolfsburg, Frankfurt, Regensburg, Ulm, Darmstadt und Würzburg.

Vergleich der Faktoren

Für die jährliche Untersuchung vergleicht die Gesellschaft IW Consult des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft die aktuelle Wirtschaftskraft, Veränderungsraten bestimmter Indikatoren sowie Zukunftsperspektiven aller kreisfreien Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern. Verschiedenste Faktoren aus Bereichen wie Wirtschaftsstruktur, Arbeitsmarkt, Immobilien, Forschungsstärke, Industrie der Zukunft und Lebensqualität wurden analysiert.

Bei der Dynamik verdrängte die bayerische Landeshauptstadt Ingolstadt vom ersten Platz. Berlin arbeitete sich auf den zweiten Rang vor. Vor allem die Startup-Szene und der Immobilienmarkt entwickelten sich in den vergangenen fünf Jahren in der Bundeshauptstadt nach Einschätzung von Hanno Kempermann von IW Consult positiv. Steigende Mieten und Immobilienpreise werden als Zeichen der Attraktivität einer Stadt gewertet. Der Aufsteiger unter den Top zehn ist Wolfsburg: Die Autostadt machte zum Vorjahr einen Sprung von elf Plätzen auf Rang 5.

Darmstadt ist als High-Tech-Zentrum der Metropolregion Rhein-Main-Neckar der Studie zufolge weiterhin am besten gerüstet für das digitale Zeitalter, gefolgt von Erlangen, Stuttgart, München und Wolfsburg.

Als „Alarmsignal“ wertete Kempermann die Entwicklung im Ruhrgebiet. Städte wie Bottrop (Rang 71), Duisburg (70), Hamm (69), Herne (67) Gelsenkirchen (66) sackten der Studie zufolge bei der Zukunftsfähigkeit weiter ab.