Magdeburg l Knapp fünf Jahre ist‘s her, da schaffte es Ex-Dschungelcamperin und Promi-Nudistin Micaela Schäfer an nur einem Tag in die britische „Sun“ und aufs US-Klatschportal „TMZ“. Bei der Filmpremiere zu „Men In Black 3“ war sie in einer Robe aus flatternden VHS-Kassettenbändern aufgelaufen, die nur zwei Bändchen an Hals und Taille hielten. Das entrüstete „TMZ“ titelte passend zum Alien-Streifen: „Oben-Ohne-Eindringling in Deutschland“. Für Schäfer ein Ritterschlag. Entworfen hat das Kleid Carolin Goldmann.

Seit damals gehört die Magdeburgerin zu Schäfers Stammdesignern, leiht ihr regelmäßig verrückte Kreationen. Ihr Geld verdient sie aber mit Klamotten für Normalos: Brautkleider, Abendmode, T-Shirts, Kinderröcke. Alles läuft unter ihrem Label „Lady Caro Lynn“. Jedes Stück ist ein Auftragswerk.

2008 hat Goldmann ihre Firma gegründet, zuvor ließ sie sich an einer Modeschule ausbilden und sammelte Erfahrung im Brautmodenladen. Bevor sie von ihrer eigenen Mode leben konnte, musste sie langen Atem beweisen. Zwar startete sie mit einem Knaller: Kurz nach der Gründung gewann die Magdeburgerin einen Wettbewerb für Nachwuchsunternehmerinnen und damit ein Stipendium für ein Designer-Praktikum in London. Danach aber ging‘s in kleinen Schritten weiter: Sie musste einen Kundenstamm aufbauen. „In den ersten drei, vier Jahren hab ich nebenbei gekellnert“, erzählt die elfenhafte junge Frau. Sie findet das sogar gut: „So schätzt man den Erfolg mehr. Außerdem ergab sich dabei ab und zu ein Auftrag.“ Denn da sie schon damals jedes Jahr auch eine Kollektion entwarf und die fleißig bei Modenschauen, Messen und in Zeitungen präsentierte, wurde sie oft erkannt.

Bilder

Aufträge durch Aufmerksamkeit: Diese Strategie hilft der Designerin bis heute. So erklärt sich auch, warum sie oft Klamotten entwirft, die kein Normalo tragen würde. Denn wird ein Promi mit ihrem Kleid abgelichtet, macht das ihre Marke bekannt. Außerdem locken diese Bilder wiederum Profi-Fotografen an, die dasselbe Kleid für ihre Shootings leihen. Effekt: noch mehr Bekanntheit. Und obendrauf läuft so ein Promi als Gegenleistung auch mal für Goldmann bei einer Modenschau, zum Beispiel bei „Otto macht Mode“ in Sachsen-Anhalts Landesvertretung zur Berliner Fashion Week.

Um Schäfer an die Angel zu bekommen, bewies die 29-Jährige Hartnäckigkeit. „Ich habe damals ihr Management angerufen und gefragt, ob ich etwas für sie designen kann“, erzählt Goldmann. „Dort bin ich erstmal abgeblitzt. Aber ich hab dann einfach immer wieder Mails mit Fotos und Entwürfen geschickt. Eines Tages rief mich Micaela an.“

Inzwischen haben auch schon Sara Kulka („Dschungelcamp“, „Germany‘s Next Topmodel“) und „Miss Deutschland Europe“ Tatjana Genrich „Lady Caro Lynn“ getragen. Auch ihr Auftragsbuch ist heute meist gut gefüllt. Trotzdem schneidert Goldmann noch alles allein. Nur in Ausnahmen gibt sie etwas in die Änderungsschneiderei. „Ich lege Wert darauf, dass ich weiß, wie alles verarbeitet ist“, erklärt sie. Dafür verbringt sie dann schon mal zehn Stunden am Tag zu Hause an der Nähmaschine. Dass sie auch genügend Pausen macht, das überwachen zwei überzeugende Kontrolleure: Der eine sitzt nachmittags meist am Maltisch, der andere im Laufgitter.

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