New York/Stockholm (dpa) l Daniel Ek ist als Mitgründer und Chef von Spotify mit 35 Jahren eine der Schlüsselfiguren im globalen Musikgeschäft. Der Börsengang in New York macht ihn auch offiziell zum Milliardär. Doch der Schwede hat sich sein betont geerdetes Auftreten bewahrt und richtete die Zimmer seiner zwei Kinder jüngst mit Ikea-Möbeln ein, wie er in einem Interview des Podcasts „EU Confidential“ bekanntgab. Dort erfuhr man auch, dass „Dancing Queen“ sein Lieblings-Abba-Song ist.

Die Bodenständigkeit mag daher rühren, dass Ek schon früh die Identitätskrise durchlebte, die bei manchem mit dem großen Geld kommt. Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen in einem Vorort von Stockholm, startete er mit 13 Jahren ein eigenes Geschäft als Designer von Websites. Schon als Teenager hatte er ein paar Dutzend Mitarbeiter – und musste auch Leute entlassen, als er Gehälter nicht bezahlen konnte. Sein Studium an der Königlichen Technologie-Universität brach Ek ab, arbeitete dann bei der Auktionsfirma Tradera, die von Ebay gekauft wurde, und gründete eine Online-Werbefirma, die er 2006 verkaufte.

Damit war Ek schon mit Anfang 20 so reich, dass er eigentlich nicht mehr arbeiten musste. Er kaufte sich einen Ferrari, hatte eine Dreizimmerwohnung in Stockholm, ließ in Nachtclubs die Champagnerkorken knallen. Und dann kam die Sinnkrise. „Ich habe erkannt, dass die Mädchen, mit denen ich ausging, nicht besonders gute Menschen waren, dass sie mich nur ausnutzten – und dass meine Freunde keine wahren Freunde waren“, erzählte Ek vor einigen Jahren dem Magazin „New Yorker“. Sie seien nur für die guten Zeiten da gewesen und hätten ihn schnell wieder fallengelassen. „Ich wollte immer dazugehören und dachte, dass sich am Ziel wäre, wenn ich Geld hätte – stattdessen hatte ich keine Idee, wie ich mein Leben leben wollte.“

Also verkaufte Ek seinen Ferrari und zog sich in eine Holzhütte zurück. Dort dachte er über die Zukunft nach und erinnerte sich auch an seine Jugendzeit mit der illegalen Download-Börse Napster, die ihm viel neue Musik zugänglich gemacht hatte. In Gesprächen mit seinem Geschäftspartner Martin Lorenzon kristallisierte sich die Idee einer legalen Plattform heraus, die ebenso breiten Zugang zu Millionen Songs geben würde.

Ek steckt sein Geld in Spotify und ging Klinkenputzen bei den Musikkonzernen, die sich vor allem an der Gratis-Variante von Spotify störten, die zwar Einschränkungen wie Werbepausen hatte – aber trotzdem einen stundenlangen Musikkonsum ermöglichte. Künstler warfen Spotify vor, Musik zu entwerten, weil sie für Millionen Abrufe nur Cent-Beträge bekämen. Doch Ek und Spotify hielten stur an dem Konzept fest und versprachen, dass aus dem Gratis-Dienst Millionen zahlende Abokunden entstehen würden. Inzwischen lässt Streaming das Musikgeschäft erstmals seit Jahren wieder wachsen.