Die elektrische Zukunft kommt nicht in die Gänge

Trotz umfangreicher politischer Bemühungen lässt sich in Deutschland ein deutlicher Trend zum vollelektrischen Fahren nicht feststellen. Der reale Marktanteil von vollelektrischen Fahrzeugen lag 2019 nur bei rund 1,8 %, das waren lediglich 63 281 Fahrzeuge von 3,6 Millionen neu zugelassener PKWs, meldet das Kraftfahrt-Bundesamt. Bei den Plug-In-Hybriden, die bis zu 50 Kilometer rein elektrisch schaffen und denen man ein Potential einräumte, sah es noch schlechter aus. Nur 45 348 Fahrzeuge dieser Bauart kamen auf deutsche Straßen.

Berlin l In der Studie wurde untersucht, ob Elektroautos über eine fünfjährige Nutzungsdauer und eine jährliche Laufleistung von 15.000 Kilometern hinweg günstiger sind als vergleichbare Verbrenner. Allerdings wurde schon der Effekt der erhöhten, Umweltbonus genannten Kaufprämie für Elektroautos von nunmehr 6000 Euro bei einem Kaufpreis bis zu 40.000 Euro und 5000 Euro bei einem Preis von bis zu 65.000 Euro mit eingerechnet, die zwar von der Politik avisiert, aber noch nicht gültig ist.

Im Ergebnis wurden bei allen sechs Vergleichspaaren günstigere Kostenwerte für die elektrische Variante errechnet. Lagen diese beim e-up! von Volkswagen zur Benziner-Version nur bei 13 Euro im Monat, kamen die Prüfer bei der Paarung Tesla Model 3 gegen einen vergleichbaren BMW 3er auf einen Unterschied von 409 Euro. In der Oberklasse sanken die Unterschiede zwischen dem Tesla Model S und dem BMW 6er wieder auf 96 Euro im Monat. Die Kostenvorteile kämen durch verschiedene Effekte der steuerlichen Begünstigung, der Bezuschussung und niedrigerer Werkstattkosten zustande.

Bei einigen Vergleichspunkten sind Zweifel über die Relationen der Prüfer angebracht. So können sogenannte Hauspreise beim Autohändler die Bezuschussung, die Bund und Hersteller für E-Autos gewähren, ohne Weiteres übertreffen. Während der Bremsbelagverschleiß durch die Rekuperation minimal ausfällt, nutzen sich die Reifen durch die hohen Drehmomente der E-Antriebsmotoren schneller ab. Sehr optimistisch geht man auch bei der Haltbarkeit der Akkus aus, deren Standfestigkeit im rauhen Alltagsbetrieb in Mitteleuropa bislang unklar ist. Hier drohen bei vorzeitigem Verschleiß wirtschaftliche Totalschäden. Ein völlig unklares Kostenrisiko bildet zudem die Entwicklung der Strompreise, die seit Jahren steigen.

Zudem wird in der Studie nicht zwischen privaten und gewerblichen Großnutzern unterschieden. Letztere können sich eine eigene Infrastruktur für das Laden aufbauen und günstige Nachtstromtarife nutzen, die Einzelnutzern nicht zugänglich sind. Zudem setzen Großnutzer vorrangig auf Leasing-Fahrzeuge, die für die Nutzungsdauer oft die volle Garantie aufweisen; für Private ist Leasing oft ungünstig. Auch die Reichweiten-Problematik und die eingeschränkte Wintertauglichkeit vollelektrischer Autos schrecken Deutschlands durchschnittlichen Autokäufer weiterhin ab.