Magdeburg l Sanitätshäuser, mobile Krankenpflege, Therapie – die Firma Strehlow aus Magdeburg bietet verschiedene Gesundheitsleistungen aus einer Hand an. Die GmbH existiert seit 1991, die Geschichte des Unternehmens beginnt aber vor der Wende.

Am 1. Dezember 1988 eröffnet Uwe Strehlow eine Vertragswerkstatt für Krankenfahrstühle. Elektroingenieur Strehlow hat einen guten Draht zur Einheitskasse der DDR und beginnt, ausgediente Rollstühle zu ertüchtigen. Nach der Wende werden Abstecher in den Westen möglich. Uwe Strehlow nimmt den Markt für Medizintechnik genau unter die Lupe, knüpft Kontakte zu Herstellern. „Mein Vater war schon immer sehr neugierig, kundenorientiert und konnte sich schnell neues Know-how aneignen“, sagt Prokurist Christoph Strehlow (36), der mit seiner Schwester Lina-Marie Pilz-Strehlow (29) heute zur jungen Garde des Familienunternehmens gehört.

Familienunternehmen wächst weiter

Die Firma wächst in den 1990er Jahren, Uwe Strehlows Frau Constanze – von Hause aus Kinderkrankenschwester – steigt ein und kümmert sich fortan um den Aufbau der Sanitätsgeschäfte. 26 sind es aktuell, in Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Vor fünf Jahren kommt als Schwesterunternehmen ein Pflegedienst hinzu. Uwe Strehlow (59) ist bis heute Geschäftsführer des Familienunternehmens, das in den vergangenen drei Jahrzehnten neben vielen Höhen auch Krisen erlebt hat. Heute ist Strehlow ein großer Arbeitgeber in der Region und erzielt einen Jahresumsatz im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Dass Wachstum nicht immer so einfach ist, habe das Unternehmen über die Jahre zu spüren bekommen, sagt Christoph Strehlow. Man dehnte sich regional aus, überschritt dann die Landesgrenze, wollte neue Sachen ausprobieren, wie es Strehlow ausdrückt. Immer wieder stiegen auch mal die Verbindlichkeiten, die Suche nach qualifiziertem Personal verlief nicht immer wie gewünscht. „Wenn man sich von der One-Man-Show weiterentwickeln will, sollte man solche Faktoren aber einkalkulieren“, sagt Christoph Strehlow, während er die Firmengeschichte Revue passieren lässt.

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Kommt die Rede auf die Corona-Krise, in der auch bei Strehlow Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt werden mussten, kommen schnell auch andere unkalkulierbare Ereignisse hoch, mit denen sich die Magdeburger Firma auseinandersetzen musste. „Deshalb sind wir derart krisenerprobt“, sagt Strehlow. Beim Elbe-Hochwasser 2013 muss das Zentrallager in Magdeburg-Rothensee evakuiert werden. Produkte, die kühl gelagert werden müssen, wandern provisorisch in das Kühlhaus einer Magdeburger Wurstfabrik. Für das Entgegenkommen habe man dann in den kommenden Jahren auf den Firmenfeiern gern auf die Würstchen der Fabrik zurückgegriffen, sagt Strehlow und lacht.

Wichtig war: Den Kunden fiel von alldem nichts auf. „Wir konnten weiter ganz normal liefern“, sagt der 36-Jährige. „Und das zählt.“ 2018 dann das Orkantief Friederike. Das Lagerdach: komplett abgedeckt. Wieder muss eine Ausweichstätte her. Und jetzt auch noch Corona, wieder ist in den vergangenen Monaten Kreativität gefragt gewesen. Als Schutzmasken knapp zu werden drohen, zieht Strehlow alle Register und produzierte die Mangelware kurzerhand selbst.

Führendes Unternehmen in der Region

Trotz aller Unwägbarkeiten – Strehlow ist heute eines der führenden Unternehmen in seiner Branche in der Region. Die Herausforderungen werden nicht kleiner. „Der Gesundheitsmarkt wird sich in den kommenden Jahren rasant weiterentwickeln“, sagt Christoph Strehlow. Die Menschen werden im Schnitt älter, gerade in ländllichen Regionen sei ein Ärztemangel absehbar. Nicht nur die Politik muss Lösungen finden, auch die Gesundheitsökonomie muss sich den Veränderungen anpassen.

In Digitalisierung zu investieren – das steht beim Unternehmen weit oben auf der Agenda. Strehlow beschäftigt eigene Software-Spezialisten, die unter anderem eine mobile App für Mitarbeiter im Außendienst entwickelt haben. Über die Homepage können Online-Rezepte eingereicht werden.

Von der Reparaturwerkstatt für Rollstühle zu einem modernen Unternehmen – in etwas mehr als 30 Jahren ist vieles passiert. Für die Zukunft fühlt sich das Familienunternehmen gewappnet, schließlich hat man manch missliche Situation schon gemeinsam durchgestanden.