Nusa Dua (dpa) l Wegen Donald Trumps aggressiver Handelspolitik droht der Weltwirtschaft ein Wechsel in der Tonart. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat in seinem Weltwirtschaftsbericht die Wachstumsprognose vergleichsweise deutlich nach unten korrigiert – auch für Deutschland. Schuld sind neben regionalen Sondereinflüssen der von Trump verursachte Handelsstreit und rekordverdächtig hohe Schulden. „Die Wahrscheinlichkeit weiterer negativer Schocks für unsere Wachstumsvorhersage ist gestiegen“, sagte der scheidende IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld am Dienstag im indonesischen Nusa Dua.

Der IWF nahm die Wachstumsprognose für Deutschland um 0,6 Punkte auf 1,9 Prozent für 2018 zurück, auch 2019 soll es nicht steiler bergauf gehen. Besonders sorgt sich der Fonds um die von Trump attackierte Autoindustrie.

Das weltweite Wachstum gehe mit 3,7 Prozent zwar im laufenden und dem kommenden Jahr auf vergleichsweise hohem Niveau weiter, nehme aber nicht mehr wie eigentlich erwartet an Tempo zu, sagte Obstfeld. „Die Vorhersage war überoptimistisch“, sagte er zur Prognose des IWF im April, die ein Wachstum von 3,9 Prozent für die Jahre 2018 und 2019 vorhersah.

Deutschland soll in Infrastruktur investieren

Im Weltwirtschaftsbericht wird die Bundesregierung erneut aufgefordert, größere Anstrengungen bei Investitionen in die Infrastruktur zu unternehmen, um den hohen deutschen Handelsüberschuss auszubalancieren. Als Grund für die nach unten korrigierte Prognose gelten auch eine niedrigere Industrieproduktion und eine größere Unsicherheit wegen der aus den USA drohenden Zölle.

Für die Schwellenländer, deren Wachstumsprognose stärker nach unten korrigiert werden musste, kommen weitere Probleme der US-Wirtschaftspolitik dazu – vergleichsweise rasch steigende Zinsen, ein starker Dollar und Wachstum, das bei der Bevölkerung nicht ankommt.

Wer in der US-Währung hoch verschuldet ist, hat es künftig schwerer. Argentinien ging bereits die Luft aus, Buenos Aires musste beim IWF um Milliardenhilfe bitten. Pakistan hat selbiges angekündigt, die Türkei will es mit allen Mitteln verhindern. Venezuela kämpft mit einer Hyperinflation von – der IWF-Prognose zufolge – fast 1,4 Millionen Prozent.

Solche Auswüchse drohen Deutschland nicht. Auch im Vergleich mit anderen EU-Schwergewichten wie Italien ist die Bundesrepublik besser auf einen möglichen Einbruch der Weltwirtschaft vorbereitet. Zumindest vom Puffer her, um zum Beispiel wie 2008/2009 mit Kurzarbeitsregelungen über 1,5 Millionen Jobs zu retten und eine Kernschmelze des Finanzsystems abzuwenden.

Scholz plant mit mehr Sozialausgaben

Finanzminister Olaf Scholz (SPD), der am Donnerstag beim IWF in Indonesien erwartet wird, plant für 2019 wegen der Umsetzung diverser Koalitionsvorhaben und neuer Sozialausgaben mit Ausgaben von 356,8 Milliarden Euro, rund 13 Milliarden Euro mehr als im laufenden Jahr. Er sieht zum Beispiel stabile Renten als bestes Mittel gegen einen deutschen Donald Trump. Aber es ist ein Schönwetterhaushalt, auch weil die Steuereinnahmen noch sprudeln.

Der Handelskrieg zwischen den beiden weltgrößten Volkswirtschaften USA und China sowie die Androhung von US-Zöllen auf Autos und Autoteile machen vieles noch schwieriger. Etablierte Lieferketten könnten unterbrochen werden, vor allem dann, wenn es zu Vergeltungsmaßnahmen kommt, sagte Obstfeld und kommt deshalb hinsichtlich der USA zu dem Schluss: „Das Wachstum wird von nicht nachhaltigen politischen Maßnahmen getrieben.“