Mountain View/Berlin (dpa/md) l Am 4. September feiert Google seinen 20. Geburtstag. Hinter der Firma verbirgt sich mehr als eine Suchmaschine: So können auch News abgerufen, Bücher durchsucht oder Flüge gebucht werden. Bis dahin war es ein weiter Weg. Auch für die Zukunft hat Google mit künstlicher Intelligenz, selbstfahrenden Autos und Gesundheitsforschung viel vor.

Internet-Suchmaschinen gab es schon vor Google. Aber es war der neue Ansatz der Gründer Larry Page und Sergey Brin, der Google schnell nach vorn brachte. Ihre Idee: Nicht ein redaktionell gepflegter Web-Katalog sollte es sein, sondern eine smarte Suchmaschine. Die Relevanz einzelner Webseiten zeigt sich darin, wie oft auf sie verlinkt wird ("Page Rank").

Gründungs-Startschuss in der Garage

Inzwischen spielen im Google-Algorithmus hunderte weitere Faktoren mit. Die erste Version ihrer Suchmaschine, die zunächst BackRub hieß, programmierten Page und Brin ab 1996 noch zuhause. Relativ schnell wurde sie in Google umbenannt – eine Anspielung auf das Wort "Googol", die mathematische Bezeichnung für eine 1 mit 100 Nullen. Um einem Scheck über 100.000 Dollar von Sun-Microsystems-Mitgründer Andreas von Bechtolsheim einlösen zu können, wurde Google am 4. September 1998 als Unternehmen registriert. Die Mission: Alle Informationen auf der Welt sollen geordnet und für jedermann zugänglich gemacht werden. Als erstes Büro suchten sich Page und Brin eine Garage im Herzen des Silicon Valley. Ihre Vermieterin Susan Wojcicki führt heute die Videotochter YouTube.

Page war der erste Firmenchef – doch den Investoren war nicht wohl dabei, das schnell wachsende Geschäft den beiden noch nicht einmal 30-jährigen Gründern zu überlassen. So wurde 2001 der erfahrende Manager Eric Schmidt als eine Art "Erwachsenenaufsicht" zu Google geholt. Für zehn Jahre, bis ein gereifter Page wieder das Steuer übernahm, wurden die Geschicke von einer Art "Troika" gelenkt. Schmidt war zwar der Konzernchef – aber die Gründer hatten zum Beispiel die Freiheit, das Start-up hinter dem heute dominierenden Smartphone-System Android zu kaufen, wie er sich später erinnerte.

Mehr als eine Suchmaschine

Genauso ausgefeilt wie der Suchmaschinen-Algorithmus war auch die Google-Idee, wie man damit Geld verdienen kann: Mit kleinen Anzeigen im Umfeld der Treffer – die dazu passen, wonach der Nutzer sucht. Bezahlt werden muss nur, wenn die Werbung auch angeklickt wird, und der genaue Preis wird in einem Auktionsverfahren festgelegt. Mit solchen Mini-Deals kann man mit der Größe von Google Milliarden verdienen. Die Such-Anzeigen gelten bei allen neu dazu gekommenen Aktivitäten nach wie vor als die Basis des Geschäfts von Google – und auch von Alphabet insgesamt. Im vergangenen Quartal erzielte die Konzernmutter insgesamt einen Umsatz von 32,6 Milliarden Dollar, davon waren gut 28 Milliarden Werbeerlöse von Google.

Schon in den ersten Jahren wurde klar, dass sich Google nicht nur auf die Internetsuche beschränkt. Getreu dem Ziel, alle Informationen der Welt zu organisieren, fing man 2004 damit an, in großem Stil Bücher einzuscannen. Bei dem Projekt holten sich die Google-Gründer mit ihren Weltverbesserer-Absichten zum ersten Mal eine blutige Nase. Autoren und Verleger sahen Urheberrechte verletzt und ihr Geschäft bedroht, zogen vor Gericht. Google Books kam nur langsam voran.

Weitere Konflikte folgten. Medienhäuser warfen Google vor, mit der kostenlosen Verbreitung von Nachrichten ihre Geschäftsgrundlage zu zerstören. Bewertungsdienste wie Yelp kritisierten, die Suchmaschine sauge ihre Inhalte ein – wodurch die Nutzer bei Google hängen blieben. Preissuchmaschinen sahen sich benachteiligt. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager griff bereits zwei Mal hart durch. 2017 gab es mit dem Vorwurf des unfairen Wettbewerbs bei der Shopping-Suche eine Strafe von 2,4 Milliarden Euro. In diesem Juli folgte die Rekordstrafe von 4,34 Milliarden Euro für Googles Gebaren bei Android. Die Beträge verdaute Google mit Leichtigkeit – die Forderung, auf der Mobil-Plattform mehr Konkurrenz zuzulassen, könnte aber zur Bombe unter dem bisherigen Android-Geschäft werden.

Datenschutz-Angst der Nutzer

Mittlerweile sorgen sich Internetnutzer zunehmend um den Schutz ihrer Daten - Google will zunehmend mehr über seine User erfahren. Der sprechende Google Assistant beispielsweise ist erst dann besonders nützlich, wenn er sich genau auf den jeweiligen Menschen einstellen kann. Wie weit Google bei der Entwicklung von künstlicher Intelligenz ist, zeigte der Konzern im Frühjahr mit dem Dienst Duplex, der menschliche Sprache bis hin zu natürlich klingenden "Ähms" imitieren kann.

Wenige Tage vor dem Google-Geburtstag machte US-Präsident Donald Trump noch eine Front auf. Trump googelte Nachrichten über sich selbst, fand angeblich negative Schlagzeilen. Er zählte 2017 in Deutschland zur meistgesuchten Persönlichkeit, Google wies seine Vorwürfe jedoch zurück. Es wird davon ausgegangen, dass die Republikaner das Thema bei der nächsten Senatsanhörung der Internet-Konzerne am 5. September wieder auf den Tisch bringen. Zu den beliebtesten Google-Suchbegriffen zählten 2017 in Deutschland neben der WM-Auslosung und der Bundestagswahl auch der Wahlomat und das iPhone 8.