Athen (dpa) l Schon seit Ende Februar 2018 wird im Norden Griechenlands Spargel geerntet, auch im Herbst jeden Jahres gibt es bereits erste Lieferungen. Das „weiße Gold“ geht fast ausschließlich nach Deutschland, denn die Griechen wissen mit weißem Spargel nicht viel anzufangen.

„Es gibt kaum Rezepte, und was die Deutschen damit kochen, ist uns völlig unbekannt – wir essen eigentlich nur grünen Spargel, und den als Salat“, sagt Anastasios Karkatzalos von der nordgriechischen Erzeugergemeinschaft Nestos. Macht aber nichts: Mit dem Export des weißen Spargels verdienen die griechischen Spargelbauern ohnehin viel besser, vorausgesetzt, das Wetter spielt mit.

Unbeständiges Wetter

Dieses Jahr war der Himmel ihnen bisher nicht gnädig. „Erst war es kalt, die Spargel kamen spät. Dann eine Woche lang Sonnenschein und Wärme, dann wieder Wolken, Kälte, Regen – wir hoffen weiter“, sagt Karkatzalos. In südlichen Gegenden wie Kreta, wo das Wetter viel besser ist, können die Spargel-Bauern nicht ausweichen, dort ist es im Winter viel zu warm. „Der Spargel braucht auch seine Winterkälte“, sagt Kostas Maragkosis von der Erzeugergemeinschaft Nespar.

Mehr als 90 Prozent des griechischen weißen Spargels werden Maragkosis zufolge nach Deutschland exportiert. Nach Angaben von deutsch-griechischen Handelsexperten belegte Griechenland im Frühjahr 2017 Platz sechs der Spargel-Lieferanten – nach Spanien, Peru und den Niederlanden. Der größte Anbieter ist China, das mittlerweile weltweit zum größten Spargel-Exporteur avanciert ist.

Jeder Deutsche isst 1,7 Kilo Spargel pro Jahr

Aber auch Deutschland ist ganz vorne mit dabei. „Kein Wunder“, sagt Maragkosis, „dort wird der meiste weiße Spargel gegessen und Deutschland ist Europas größter Produzent.“ Die Griechen wissen, dass der Deutsche pro Jahr gut und gerne 1,7 Kilo Spargel genießt – und dass die deutschen Spargelbauern deshalb sukzessive ihre Anbauflächen erweitern. Laut Bundeslandwirtschaftsministerium wurden die deutschen Anbauflächen bis 2016 innerhalb von fünf Jahren von 19 000 auf 22.300 Hektar ausgeweitet. Nur weil zugleich der Verbrauch der Deutschen steigt, exportieren die Griechen weiter erfolgreich.

Entsprechend stößt die Entwicklung in Deutschland längst nicht überall auf Gegenliebe. Das besondere Verhältnis der Deutschen zum weißen Gold ist in Südeuropa bekannt und lässt die griechischen Spargelbauern jedes Jahr bangen: „Wir hoffen, die größtmögliche Menge Spargel exportieren zu können, denn die Deutschen sind, was das Thema Spargel anbelangt, Chauvinisten: Sobald ihr eigener Spargel erntereif ist, nehmen sie den und verzichten auf importierte Ware“, sagte vergangenes Jahr Spyros Papadopoulos, Regionalrat der spargelstarken griechischen Region Ostmazedonien-Thrazien.

Griechen hoffen aufs Wetter

Damit das nicht geschieht, müssen die Griechen aufs Wetter hoffen: Je früher je mehr Sonne und Wärme, desto schneller ist der Spargel (export)reif. Die Spargelbauern sind aber auch darauf angewiesen, dass das Wetter in Deutschland mitspielt: „Ist das Frühjahr in Deutschland zu kalt, haben die Menschen dort keinen Appetit auf Spargel und die Abnahme sinkt“, sagt Kostas Maragkosis. Ende letzten Jahres kam der griechische Spargel zeitgleich mit dem aus Peru auf den Markt – bereits im Oktober für 3,99 Euro pro 350 Gramm.

Zwischen fünf und acht Euro pro Kilo verlangen die Griechen für das Gemüse, je nach Qualität, Jahreszeit und Nachfrage. Dass deutscher Spargel zu Beginn der Saison auf dem Wochenmarkt 15 Euro und mehr das Kilo kosten kann, verschlägt ihnen buchstäblich die Sprache – und erst recht, dass griechischer Spargel zu Saisonbeginn für bis zu 21 Euro angeboten wird. Daher findet man weißen Spargel auf griechischen Wochenmärkten nur äußerst selten, obwohl er besser schmeckt als deutscher Spargel, wie Maragkosis findet.

Der grüne Spargel, den die Griechen essen, ist mit rund 2,50 Euro pro Kilo viel günstiger – und außerdem gesünder. Die griechischen Spargelbauer setzen trotzdem auf die weiße Variante. „Wir haben beim Export von grünem Spargel schon mehrere Anläufe gemacht“, sagt Maragkosis. „Aber es hat sich nie gelohnt.“