Frankfurt/Main (dpa) l Deutschlands Maschinenbauer stellen sich auf anhaltenden Gegenwind im kommenden Jahr ein. Der Branchenverband VDMA bekräftigte am Dienstag seine Prognose, wonach die Produktion auch 2020 bereinigt um Preiserhöhungen (real) um zwei Prozent schrumpfen dürfte. Die exportorientierte deutsche Schlüsselindustrie leidet unter der Abkühlung Weltkonjunktur, globalen Handelsstreitigkeiten, sowie dem Strukturwandel in der Autoindustrie.

„Diese drei Entwicklungen waren maßgeblich dafür verantwortlich, dass Auftragseingänge und Produktion im Jahr 2019 deutlich unter das Vorjahresniveau gerutscht sind“, sagte VDMA-Präsident Carl Martin Welcker in Frankfurt. In den ersten zehn Monaten sank die Produktion um real 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, die Bestellungen gingen um 9 Prozent zurück.

Kunden stoppen Investitionen

„Unsere Industrie steckt nicht in einer Krise, aber viele unserer Kunden sind verunsichert und verschieben oder stoppen derzeit ihre Investitionen“, erläuterte Welcker. Die Branche werde 2019 daher voraussichtlich mit einem Produktionsminus von 2 Prozent auf rund 218 Milliarden Euro abschließen nach zwei Wachstumsjahren in Folge. „Wir sind aber weit entfernt von irgendeiner Art von Weltuntergangsstimmung“, betonte der Verbandspräsident.

Zwar sieht der VDMA leichte Anzeichen einer Besserung. Doch „die aktuell zu beobachtende konjunkturelle Entspannung in Deutschland und auf wichtigen Auslandsmärkten ist nicht viel mehr als ein Ende des Abwärtsprozesses“, sagte Welcker. Die Branche hoffe zwar auf einen leichten Aufschwung und eine Belebung der Nachfrage. Für eine Entwarnung sei es aber zu früh, „denn die weltwirtschaftliche Entwicklung wird nach wie vor durch ein hohes Maß an Unsicherheit belastet“. Bis sich ein möglicher Anstieg der Nachfrage in der Produktion niederschlage, dauere es ohnehin eine Weile.

Bei den Beschäftigten ist die Flaute bislang nicht angekommen – im Gegenteil. Bis Ende September stieg die Zahl der Mitarbeiter in Firmen mit mehr als 50 Beschäftigten im Vorjahresvergleich um knapp 10 000. Die mittelständisch geprägte Branche ist den Angaben zufolge weiterhin größter industrieller Arbeitgeber in Deutschland mit mehr als einer Million Mitarbeitern. Damit dürfte vorerst allerdings der Höchststand erreicht sein, sagte Welcker. Jetzt werde es darum gehen, „die bestehende Mannschaft an Bord zu halten“. Mit einem radikalen Stellenabbau rechnet Welcker aber nicht.

Regeln für Kurzarbeit gefordert

Der VDMA-Präsident forderte, jetzt Regeln für die Kurzarbeit zu beschließen, die den Betrieben bereits in der Krise 2008/09 geholfen hätten. Notwendig sei unter anderem eine Ausweitung der Kurzarbeit auf 24 Monate. Den Angaben zufolge waren im Mai erst 6400 Mitarbeiter von Kurzarbeit betroffen, im September seien es bereits 14 500 gewesen.

Kritik übte Welcker an der Klimapolitik der großen Koalition. Es handele sich um ein Sammelsurium von Einzelmaßnahmen, die nicht zusammen passten.

Maschinenbauer will CO2-neutral arbeiten

Maschinenbauer Voith kündigte  auf seiner Jahrespressekonferenz an ab 2022 weltweit CO2-neutral arbeiten zu wollen. Nach einer Nullnummer im Vorjahr hat der Technologiekonzern trotz schwächelnder Konjunktur wieder ein leichtes Wachstum verbucht. Im abgelaufenen Geschäftsjahr, das im September zu Ende ging, legte der Umsatz des Heidenheimer Unternehmens im Vergleich zum Vorjahr um knapp zwei Prozent auf 4,28 Milliarden Euro zu, wie Voith am Dienstag in Stuttgart mitteilte.

Maßgeblich dafür war vor allem die Umsatzentwicklung in der Antriebstechnik-Sparte sowie im wiedererstarkten Geschäft mit der Wasserkraft. Zudem arbeitete Voith profitabler als im Vorjahr und profitierte von einer niedrigeren Steuerquote. Der Gewinn nach Steuern stieg von 49 Millionen auf 72 Millionen Euro.

Für das laufende Jahr erwartet Voith-Chef Toralf Haag eine ähnliche Entwicklung mit Steigerungen bei Umsatz und Ergebnis. Der Konzern hat derzeit so viele Aufträge in den Büchern wie seit sieben Jahren nicht mehr.