Peking/Washington (dpa) l Nach widersprüchlichen Informationen aus seiner Administration hat US-Präsident Donald Trump nun doch eine Einigung mit China im Handelsstreit in Aussicht gestellt. „Ich denke, wir werden mit China einen Deal machen“, sagte Trump in Washington. Zuvor hatte sein Wirtschaftsberater Larry Kudlow erklärt, eine Einigung stehe nicht in nächster Zukunft bevor.

Allerdings machte auch Trump keine Angaben zu einem Zeitplan für eine mögliche Einigung der beim Handel tief zerstrittenen größten Volkswirtschaften der Welt. Er werde mit seinem chinesischen Kollegen Xi Jinping am Rande des G-20-Gipfels Ende November in Argentinien zum Abendessen zusammenkommen, sagte der Präsident.

Sonderzölle über 250 Millionen Euro

In dem Konflikt mit China, bei dem es unter anderem um Handelshemmnisse und den Diebstahl von geistigem Eigentum geht, seien große Fortschritte erzielt worden. China habe großes Interesse an einer Einigung, sagte Trump. Peking habe erkannt, dass es den USA mit der gegenwärtigen Situation gut gehe. Die USA haben Sonderzölle auf Waren aus China im Wert von mehr als 250 Milliarden Euro erhoben. China hat mit Vergeltungszöllen reagiert.

Kudlow hatte zuvor via Medienberichten gestreute Hoffnungen auf ein nahendes Handelsabkommen zwischen den USA und China gedämpft. Man stehe nicht kurz vor einer Vereinbarung, sagte Kudlow am Freitag dem auf Wirtschaftsthemen spezialisierten US-Fernsehsender CNBC. Er widersprach damit einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg, wonach Trump zum Treffen der G-20-Staaten Ende November ein Handelsabkommen mit dem Präsidenten der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft, Xi Jinping, schließen wolle. Trump habe bereits Regierungsmitarbeiter mit der Ausarbeitung von Details beauftragt, hieß es darin.

Streit verunsichert Anleger

Bloomberg hatte berichtet, Auslöser für die Entspannung im erbitterten Handelsstreit und die neuen Pläne Trumps sei das Telefonat mit Xi Jinping am Donnerstag gewesen, dem ersten Gespräch der beiden Präsidenten seit sechs Monaten. Trump selbst hatte das Gespräch als „lang und sehr gut“ bezeichnet und sich über Twitter positiv zum Verlauf der Gespräche über ein Handelsabkommen geäußert.

Konflikt könne gelöst werden

Auch das Außenministerium in Peking nannte das Telefonat am Freitag „extrem positiv“. Beide Präsidenten waren sich demnach einig, den Konflikt durch „umfassende Konsultationen“ zu lösen und den wirtschaftlichen Austausch beider Länder zu stärken, sagte der chinesische Außenamtssprecher Lu Kang. Xi Jinping sei „sehr glücklich“ gewesen, wieder mit Trump gesprochen zu haben, hieß es in einer separaten Mitteilung des Außenministeriums.

Die Hoffnung auf ein Ende des Zollstreits beflügelte am Freitag zunächst die Börsen weltweit. Die Äußerungen Kudlows trübten diese Stimmung jedoch direkt wieder ein.Der Sender CNBC meldete, neben Kudlow hätten auch weitere Regierungsmitarbeiter der Darstellung widersprochen, dass ein Handels-Deal mit China bevorstehe.

Der Streit hatte zuletzt auch die Stimmung von Anlegern in den USA eingetrübt, wo am 6. November Kongresswahlen stattfinden. Ökonomen fürchten, dass ein anhaltender Konflikt schwerwiegende Folgen für die gesamte Weltwirtschaft haben könnte. Trump ist das enorme US-Handelsdefizit im Warenverkehr mit China ein Dorn im Auge. Auch wirft er Peking Dumpingpreise sowie Technologiediebstahl vor.