Oebisfelde l Die wahrscheinlich älteste Firma in Sachsen-Anhalt sitzt in Oebisfelde (Landkreis Börde) – und ist seit elf Generationen in Familienhand: Peters-Bauunternehmen wird in einem historischen Dokument vom 26. Juni 1769 über einen Brückenneubau genannt. Das Dokument hat der frühere Firmenchef Wulfhard Peters von seinem Vater bekommen. Kürzlich gab es von der Handwerkskammer Magdeburg eine Ehrenurkunde zum 250. Firmenjubiläum.

Die Familie kommt ursprünglich aus Schleswig-Holstein und hat sich im 18. Jahrhundert in Oebisfelde angesiedelt. Der Handwerksbetrieb wurde zu DDR-Zeiten 1958 in eine Produktionsgenossenschaft umgewandelt. 1990 wurde aus dem Planungsbüro ein Bauunternehmen.

Geleitet wird der Baudienstleister seit 1995 von Wulfhard Peters und seinen Kindern. Die Geschwister wissen genau, wie der andere tickt. Uwe Peters (56) kümmert sich um das operative Geschäft. Sandra Peters (47) erledigt die Buchhaltung und Büroarbeiten. Ein perfekt austariertes Arbeitsverhältnis zwischen Ausgeglichenheit und Gradlinigkeit, finden beide.

Das Traditionsunternehmen ist Spezialist beim Um- und Ausbauen von Häusern. Das können Wohn-, Industrie- oder Geschäftsgebäude sein. Beton-, Putz-, Zimmerer- und andere Arbeiten – die Oebisfelder sind Allrounder. Besonderer Anspruch: „Wir sind uns für nichts zu schade“, sagt Uwe Peters. „Wenn jemand aus Braunschweig anruft und drei Quadratmeter verputzt haben möchte, dann machen wir das. Es kommen ja immer auch mal schlechtere Zeiten.“

Schwierige Azubi-Suche

Im Augenblick kann davon keine Rede sein. Der Betrieb mit 15 Mitarbeitern, darunter drei Meister und ein Lehrling, hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,5 Millionen Euro erwirtschaftet. Auch in diesem Jahr läuft es gut. Aktuell gibt es viele In- und Ausbauten zu erledigen. Trends: Mehr Kunden lassen ihr Domizil altersgerecht umbauen. Energetische Sanierung wird wichtiger.

Auch beim Unternehmen aus Oebisfelde drohen auf kurz oder lang Probleme bei der Einstellung von qualifiziertem Personal. Ginge einer der erfahrenen Mitarbeiter in Ruhestand, wäre es nicht so einfach, einen neuen Kollegen zu finden, sagt Sandra Peters. Bei potenziellen Auszubildenden schauen die beiden Geschäftsführer schon lange nicht mehr nur auf die Noten. „Man muss heute schon Abstriche machen und hoffen, dass der Azubi entwicklungsfähig ist“, sagt Uwe Peters.

Über die Unternehmensnachfolge müssen sich Uwe und Sandra Peters zumindest noch keine Gedanken machen. Es ist noch Zeit. Beide haben je zwei Kinder. Klar ist: „Wir werden niemanden zwingen, den Betrieb zu übernehmen“, sagt Uwe Peters und lächelt. Vielleicht ist die Ehrenurkunde zum 250-jährigen Bestehen ein Anreiz. Im Büro hängt sie nun neben dem historischen Schriftstück von 1769.