Magdeburg (sj/dpa) l „Die Rückmeldungen spiegeln wider, was wir alle derzeit jeden Tag sehen“, erklärte Wolfgang März, Hauptgeschäftsführer der IHK Magdeburg, bei der Vorstellung der aktuellen Konjunkturumfrage am Mittwoch in Magdeburg. „Unsere Unternehmen wurden von der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen durch den Lockdown am 22. März mit voller Wucht getroffen“, so März. Befragt wurden Ende April 300 Unternehmen des Kammerbezirks zu ihren Geschäftsaussichten.

Bereits Ende März hatten in einer ersten Blitzumfrage 91 Prozent der Unternehmen bereits erste Auswirkungen gespürt. Das waren neben einer insgesamt geringeren Nachfrage die Stornierung von Aufträgen sowie Liquiditätsengpässe und Ausfälle durch fehlende Mitarbeiter. Zu diesem Zeitpunkt ging ein Fünftel der Firmen davon aus, dass sie im Gesamtjahr mit Umsatzrückgänge von mehr als 50 Prozent zu rechnen haben.

Ende April habe sich das Bild erwartungsgemäß nicht geändert, so die IHK. Zwei von drei Firmen rechnen mit geringeren Umsätzen im Vergleich zum Vorjahresquartal.

Ob die Firmen zur Entlassung von Mitarbeitern gezwungen sein werden, dazu äußerte sich die Kammer nicht konkret. Sie verwies aber darauf, dass noch im März der überwiegende Teil der Firmen die aktuellen Belegschaftsgrößen erhalten wollte. Wie die Entwicklung weitergehe, das hänge „maßgeblich“ von weiteren Lockerungsschritten ab.

Kritik übte die IHK an der verzögerten Auszahlung der Soforthilfen des Landes Sachsen-Anhalt. Jede zweite Firma, die einen Antrag gestellt hatte, warteten Ende April noch auf das Geld. Stark betroffen seien Soloselbständige und Kleinstunternehmer. Die IHK appelliert an die Landesregierung, dass bei der Antragsbearbeitung weitere Kapazitäten geschaffen werden, um die noch rund 20 000 Anträge, die sich noch in der Bearbeitung befänden, schnellstmöglich abzubauen.

Positiv sieht die Kammer, dass Restaurants und Cafés vorübergehend weniger Steuern zahlen sollen. Die Mehrwertsteuer auf Speisen wird für ein Jahr von 19 auf 7 Prozent reduziert, wie das Bundeskabinett entschieden hatte. Dies werde helfen. März betonte auch, dass es trotz der extrem schwierigen Lage für viele Unternehmen auch Betriebe – etwa in der Baubranche – gebe, die zu 100 Prozent weiterarbeiteten.

Kritik übte die Kammer an den unterschiedlichen Regelungen in den Bundesländern. „Die föderalistische Struktur hat in den letzten Wochen immer wieder zu Verwirrung und Falschinformationen geführt“, sagte März. Dies führe zu deutlichem Unfrieden bei den Unternehmen. „Dass regional in Deutschland so unterschiedlich Wirtschaftspolitik betrieben wird, ist nicht vermittelbar.“

Auch in den Kommunen in Sachsen-Anhalt habe es Unterschiede beim Vollzug der Einschränkungen gegeben. Trotz der generellen Schließungsverfügung aller Läden über 800 Quadratmetern durften Geschäfte in Halle und Salzwedel öffnen und die über 800 Quadratmeter hinausgehenden Flächen absperren.

März verwies darauf, dass bei der IHK in den letzten Wochen über 6000 Anrufe von besorgten Unternehmern eingegangen seien: Vom Soloselbständigen, dessen Einkommen von einem Tag auf den anderen weggebrochen ist, bis hin zu kleinen Unternehmen aus der Industrie und dem Dienstleistungsgewerbe, die mit gestörten Lieferketten und einbrechender Nachfrage zu kämpfen haben. Sie hätten zwar Verständnis für die Maßnahmen gegen das Coronavirus. Jedoch dürfe dies nicht uneingeschränkt zu ihren Lasten gehen.

März begrüßte die geplanten Lockerungen auch im Tourismussektor. Während es zum Monatsende einen Neustart bei der Vermietung von Ferienhäusern und -wohnungen, Campingplätzen und der Gastronomie geben solle, sei für die Hotellerie noch nichts Konkretes bekannt. Die IHK fordert aber eine Öffnung noch vor dem Pfingstwochenende. März verwies darauf, dass Thüringen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern Hotels bereits zum 25. Mai öffnen. „Das muss auch unser Maßstab sein.“ Und für den Harz müsse es eine länderübergreifende Abstimmung geben.