Magdeburg/Hannover l Nach Informationen der „Wirtschaftswoche“ gehören die „Industrial and Commercial Bank of China (ICBC)“ und die „Bank of China“ zu den Geldhäusern, die ein Auge auf die NordLB geworfen haben. Die Zeitschrift beruft sich auf Insiderkreise.

Die NordLB und das Land Niedersachsen erklärten, man arbeite „gemeinsam und intensiv an einem umfassenden Konzept zur Verbesserung und Stärkung der Kapitalquoten“. Dabei würde auch die Möglichkeit geprüft, die Bank für privates Kapital zu öffnen. Es gebe aber derzeit noch keine Vorfestlegungen oder Entscheidungen.

Keine Kapitalspritze

Niedersachsen ist mit gut 59 Prozent größter Eigner der NordLB, die Sparkassen des Landes halten rund 26 Prozent, Sachsen-Anhalt fast sechs Prozent.

Sachsen-Anhalts Finanzminister André Schröder (CDU) wollte sich am Freitag nicht zu den jüngsten Spekulationen äußern. Nächsten Montag werde es ein Spitzengespräch zum geplanten Restrukturierungsprozess der NordLB geben. „Ich bin grundsätzlich offen für eine Teilprivatisierung“, sagte Schröder der Volksstimme. Er bekräftigte, dass Sachsen-Anhalt der Landesbank keine Kapitalspritze geben werde.

Landesbank will Rating sichern

Hintergrund ist, dass die NordLB dringend ihr Kapitalpolster erhöhen muss, um sich auch langfristig ein gutes Rating zu sichern. Der Bedarf wird auf drei bis fünf Milliarden Euro geschätzt.

Schießt das Land Niedersachsen Kapital nach, droht der Bank ein Beihilfeverfahren der EU. Deshalb könnten zumindest Teile des Instituts an private Investoren verkauft werden.

Bedenken gegenüber Investoren

In der Politik gab es zuletzt verstärkt Bedenken gegen chinesische Investoren. Es gibt eine Debatte über den Ausverkauf deutscher Firmen. Die Bundesregierung verhinderte erst im vorigen Monat aus „sicherheitspolitischen Erwägungen“ den Kauf eines Anteils von 20 Prozent am ostdeutschen Stromnetzbetreiber 50Hertz durch den chinesischen Staatskonzern „State Grid Corporation of China (SGCC)“.

Der Verkauf des Maschinenbauers Leifeld Metal Spinning an eine chinesische Industriegruppe scheiterte ebenfalls am Widerstand der Bundesregierung.

Entscheidung im Herbst?

Zudem waren auch vor der Privatisierung der HSH Nordbank chinesische Investoren als Interessenten gehandelt worden. Am Ende wurde die Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein dann jedoch von einem Konsortium um die US-Finanzinvestoren Cerberus und JC Flowers übernommen.

Wie aber sieht die Zukunft der NordLB aus? Laut „Wirtschaftswoche“ rechnen Insider mit einer Entscheidung im Herbst. Die Bank erklärt, sie wolle „noch in diesem Jahr“ ein tragfähiges Konzept präsentieren. Als wahrscheinlichste Lösung gilt in Finanzkreisen weiterhin der Einstieg von Finanzinvestoren. Neben dem US-Investor Cerberus soll auch die Investmentgesellschaft Lone Star (Dallas) gute Chancen haben.

Die NordLB hatte wegen des schwierigen Geschäfts mit der Schiffsfinanzierung im Jahr 2016 einen Verlust von 1,96 Milliarden Euro eingefahren. Zuletzt schrieb sie zwar wieder Gewinne, doch die Kapitalschwäche bleibt. Meinung