Stuttgart/Ehringen (dpa) l Er war der König der Branche und zugleich ein Phantom. Seinen Namen kannte jeder, nahezu an jeder Ecke hing zeitweise das Logo, weiße Schrift auf blauem Grund. Das Gesicht dazu hatte dagegen kaum jemand je gesehen – bis das Imperium am Ende war.

Quasi aus dem Nichts hatte Anton Schlecker eine Drogeriekette mit gewaltigen Ausmaßen aufgebaut – und am Ende ging er höchstpersönlich damit unter. Ein Lebenswerk in Trümmern, Tausende Mitarbeiter auf der Straße, der Gründer pleite und schließlich angeklagt und verurteilt.

Am 28. Oktober 2019 wird Anton Schlecker 75 Jahre alt. Er ist wieder das Phantom von früher, gut verborgen hinter hohen Mauern in seinem Heimatort Ehingen. Das Gefängnis blieb Anton Schlecker erspart.

Zwar befanden ihn die Richter vor knapp zwei Jahren des Bankrotts für schuldig. Im Wissen um eine bevorstehende Insolvenz habe er Geld an die Seite geschafft. Anders als seine Kinder Lars und Meike, die das Landgericht Stuttgart ins Gefängnis schickte, bekam Schlecker selbst aber eine Bewährungsstrafe. Seither ist es wieder still geworden um ihn.

Im März 2017 hatte das Gericht begonnen, in monatelanger Kleinarbeit das Ende des Imperiums unter die Lupe zu nehmen. Bevor Schlecker von da an jeden Prozesstag auf der Anklagebank verbringen musste, war er sogar vielen seiner eigenen Leute völlig unbekannt gewesen.

Mit Anfang 30 hatte der Metzgermeister Mitte der 1970er Jahre den Grundstein für sein Milliardenreich gelegt und die Öffentlichkeit seither konsequent gemieden. Ausnahme war 1999 nur der Prozess gegen die Männer, die zwölf Jahre zuvor seine Kinder entführt hatten.

Auch als sein Lebenswerk Anfang 2012 am Ende war, tauchte Schlecker nicht auf. Die Pressekonferenz mit dem legendär gewordenen Satz „Es ist nichts mehr da“ gab damals Tochter Meike.

Ungewöhnliche Geschäftsführung

Schlecker hatte seine Firma als eingetragener Kaufmann und nicht etwa als GmbH betrieben. So konnte er viele Geheimnisse um seine Geschäfte machen, haftete aber auch persönlich mit seinem Vermögen – völlig unüblich bei dieser Größenordnung der Firma.

„Ich habe vor Gericht ganz klar gesagt: Herr Schlecker hat niemals mit der Insolvenz gerechnet“, sagt Arndt Geiwitz, Insolvenzverwalter der Drogeriekette und bis heute der Herr über die Reste des Schlecker-Imperiums. Und bereichert habe sich die Familie auch nicht.

Selbst Ende 2011 hätten die Mitarbeiter noch Weihnachtsgeld bekommen. Es habe, eigentlich ungewöhnlich in solchen Fällen, bei Eintritt der Insolvenz auch keine Lohnrückstände gegeben.

„Sein größtes Problem war die Beratungsresistenz“, sagt Geiwitz. Schlecker sei ein ruhiger, „völlig unarroganter Mensch“. Aber er habe immer geglaubt, alles allein am besten zu wissen, habe immer nur auf das eigene Unternehmen geschaut, nicht darauf, was Konkurrenten anders und besser gemacht hätten.

Per Fax hätten die Filialen Waren bestellt, das Controlling sei hanebüchen gewesen. Alles um zu sparen – mit letztlich komplett gegenteiligem Effekt. „Das war fahrlässig“, sagt Geiwitz. Diesen Vorwurf müsse man Schlecker machen.