Berlin (dpa) – Seit Freitag hat der eSport-Bund Deutschland (ESBD) eine neue Spitze: Daniel Luther ist neuer Präsident, Christopher Flato 1. Vizepräsident des Interessenverbandes. Beide wurden für vier Jahre gewählt.

Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur sprechen die beiden über den schwierigen Weg zu einem neuen Präsidenten, das Arbeitspensum und die geringe Diversität im ESBD-Präsidium.

Frage: Wie kam es zu ihrer Kandidatur?

Daniel Luther: Ich hatte ehrlicherweise in den letzten drei Jahren nicht den Plan, ESBD-Präsident zu werden, sondern das war eine relativ kurzfristige Entscheidung, die auf Überlegungen des ehemaligen Präsidiums entstanden ist.

Frage: Der ESBD hatte sich im Vorfeld recht schwergetan, eine Bewerberin oder einen Bewerber für den Präsidenten-Posten zu bekommen. Woran liegt das?

Christopher Flato: Auf der einen Seite haben Hans Jagnow und Fabian Laugwitz sehr große Fußspuren hinterlassen. Dementsprechend hat es, glaube ich, viele Leute davon abgehalten, sich mit dieser Thematik zu befassen, weil die beiden sehr intensiv vorgelegt haben. Es war ein klares Signal: Wenn du dich für diesen Posten verpflichtest, dann lebst du ESBD – und das ist für ein Ehrenamt relativ schwierig. Jemanden zu finden, der bereit ist, dieses Engagement zu erbringen, aber andererseits auch hauptberuflich im E-Sport tätig ist. Das ist eine große Herausforderung.

Frage: Herr Luther, wie werden Sie ihre Präsidentschaft im ESBD mit Ihrer Tätigkeit als Geschäftsführer bei KiNG Esports vereinbaren?

Luther: In der Vergangenheit mit Hans Jagnow haben alle Beteiligten gelernt: Das Pensum, das er hatte, soll jemand in Zukunft nicht mehr haben. Die Aufgaben sollen künftig in der Geschäftsstelle und in den Abteilungen so aufgeteilt werden, dass wir verschiedene Köpfe für die verschiedenen Fachbereiche haben, die dann in der Lage sind, den ESBD auch zu repräsentieren und die Felder zu besetzen. Dafür haben wir auch ein sehr starkes Präsidium und sehr starke Abteilungen. Und wir wollen in der Geschäftsstelle eine Position schaffen, die die Möglichkeit hat, alles zu koordinieren.

Frage: Welche Ziele haben Sie sich für die Präsidentschaft gesetzt?

Luther: Ich glaube, dass der ESBD sehr viele Themen schon erfolgreich angeschoben hat, etwa das Sportler-Visum oder die Gemeinnützigkeit. Dort ist allerdings die Messe noch nicht gelesen, gerade im Bereich Gemeinnützigkeit haben wir noch viele Fragestellungen, die wir gemeinsam erörtern müssen.

Einerseits wollen wir den Status Quo erhalten. Andererseits wollen wir als Verband aber auch wachsen und weitere Mitglieder generieren, darunter wirtschaftliche Vertreter sowie mehr Teams aus Profi- und Breitensport. Und darüber hinaus soll der ESBD auf einer breiteren finanziellen Basis stehen, damit alle Abteilungen davon profitieren können und wir tragfähige Strukturen schaffen, die dem Arbeitsaufwand auch gerecht werden.

Flato: Man sieht das bei Unternehmen, die Start-Up-Charakter haben – die sich erst finden müssen, viel ausprobieren und an vielen Baustellen gleichzeitig arbeiten. Genau das sehe ich auch beim ESBD. Und da geht es für uns jetzt erst einmal um Priorisierung: Welche Baustellen gehen wir als erstes an? Was ist für unsere Mitgliedschaft in den kommenden Jahren wichtig?

Frage: Die vier am Freitag gewählten Präsidiumsmitglieder sind erneut nur weiße Männer, im sechsköpfigen Präsidium gibt es mit Kristin Banse nur eine Frau. Wieso ist die ESBD-Spitze so homogen?

Luther: Da ich erst drei Tage im Amt bin, habe ich noch keine Meinung zu der Thematik, weil ich auch die Strukturen in den vergangenen drei Jahren nicht im Detail verfolgt habe. Grundsätzlich würde es mich natürlich freuen, wenn wir mehr Frauen im Präsidium hätten, wenngleich wir mit Kristin Banse eine sehr engagierte Vertreterin mit dabei haben.

Am Ende des Tages geht es um zwei Aspekte: Man muss Strukturen schaffen, die so etwas auch fördern. Ich bin da offen dafür und freue mich über jede Frau, die sich einbringt. Und man muss in den jeweiligen Gremien einfach eine Arbeitsatmosphäre schaffen, die so etwas auch ermöglicht. Ich gehe auch davon aus, dass das jetzt schon der Fall ist.

Flato: Diversität ist ein Thema, das im E-Sport mehr und mehr Bedeutung findet – eben weil der E-Sport die charmante Möglichkeit hat, dass Männer und Frauen auf einem ähnlichen Level gegeneinander antreten können. Das ist ein Faktor, den kein traditioneller Sport in diesem Umfang anbieten kann.

Dementsprechend ist es in unserem Interesse, das Thema Gleichberechtigung weiter zu fördern. Das ESBD-Präsidium ist allerdings nur ein Spiegel der Mitgliedschaft, die wiederum nur ein Spiegel der kompletten E-Sport-Community ist. Und die ist sehr männerdominant. Daher müssen wir diese Herausforderung zunächst an der Basis angehen, damit wir auf dieser Ebene mehr Mitgliederinnen dazu bringen können, sich zu engagieren und in der Szene aktiv zu werden.

ZU DEN PERSONEN: Daniel Luther ist seit dem 4. Dezember Präsident des eSport-Bund Deutschlands. Der 30-Jährige betreibt mit seiner Frau Anna KiNG Esports, eine Beratungs- und Managementfirma.

Christopher Flato ist neben seinem Amt als 1. Vizepräsident des ESBD PR-Direktor bei der ESL, dem nach eigenen Angaben weltweit größten E-Sport-Turnierveranstalter. Flato ist 30 Jahre alt und lebt in Köln.

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