Seoul (dpa) - Mit einem Online-Turnier in Südkorea will die Overwatch League ihren diesjährigen Meister bestimmen. Zu dem Event der "Final Four" wurden zwei nordamerikanische Teams geflogen, um dort bei gleichen Wettkampfbedingungen antreten zu können.

"Dass wir in Korea sind, ist sehr spannend für uns, weil das die Heimat der meisten unserer Spieler ist", sagt Matthew "super" DeLisi, Tank-Spieler von Titelverteidiger San Francisco Shock, in einer Pressekonferenz vor dem Finalturnier. "Ich wünschte, es wäre ein LAN-Turnier mit Publikum, aber man arbeitet mit dem, was man bekommen kann."

Nicht nur findet das Turnier in der Corona-Krise ohne Publikum statt, auch die Teams spielen in voneinander getrennten Einrichtungen online gegeneinander. Um den Titel kämpfen San Francisco Shock und Philadelphia Fusion aus der nordamerikanischen sowie Shanghai Dragons und Seoul Dynasty aus der asiatischen Region.

Dabei mussten die NA-Teams nach der Einreise nach Korea zunächst zwei Wochen in Quarantäne verbringen. Bei der Frage, ob das die mentale Gesundheit der Spieler beeinträchtigt habe, muss "super" lachen. "Für mich war es eher eine Steigerung, aus der Quarantäne rauszukommen. Du darfst niemanden sehen, mit niemandem sprechen und bekommst Gefängnis-Essen. Die Quarantäne durchzuhalten war hart, aber jetzt fühle ich mich wie neu geboren."

In Reaktion auf die Pandemie wurde die Overwatch League während der Saison in zwei Regionen ausgespielt. Trotzdem sei es wichtig gewesen, am Ende einen Meister küren zu können, sagt Adam Mierzejewski, Competition Operations Lead der Liga. Dafür sei dieses Mini-Turnier entstanden - wobei Sicherheit und Gesundheit der Teams an oberster Stelle gestanden habe.

Deswegen seien die Teams unter anderem per Business Class nach Korea geflogen worden. Außerdem habe man die Spieler mit leistungsstarken Laptops und Monitoren versorgt. "Wir haben ihnen sogar Care-Pakete in der Quarantäne-Zeit geschickt, damit sie genug Essen haben."

Fusion-Spieler Gael "Poko" Gouzerch postete auf Twitter ein Bild eines solchen Pakets - darin unter anderem: Orangensaft, Ramen-Nudeln, Chips, Müsliriegel und Schokolade. Insgesamt habe die Liga eng mit den Teams zusammengearbeitet, um das Turnier möglich zu machen, sagt Mierzejewski.

Auch das Turnierformat ist auf die Bedingungen angepasst, denn jedes Team bekommt zwei Chancen im Turnierbaum. "Ich finde das ziemlich perfekt", sagt Fusions Assistenztrainer Christopher "ChrisTFer" Graham. "Unter diesen Umständen wäre es echt ätzend, nach Korea zu fliegen, ein Spiel zu verlieren und wieder nach Hause zu müssen." Es sei gut, dass jedes Team eine zweite Chance bekomme. "Und wir sehen wirklich das Aufeinandertreffen von Nordamerika gegen Asien, was aus meiner Sicht das Aufregendste an diesem Turnier ist."

Dies geschieht gleich bei den ersten beiden Matches am Donnerstag, wenn San Francisco Shock auf Seoul Dynasty und Shanghai Dragons auf Philadelphia Fusion trifft. Wobei die Spiele über das Turnier hinweg zu für europäische Zuschauerinnen und Zuschauer ungewöhnlich angenehmen Zeiten stattfinden - nämlich größtenteils nachmittags statt wie sonst für die Overwatch League üblich mitten in der Nacht.

Übertragen werden die Spiele im Stream auf Youtube sowie auf dem Pay-TV-Sender eSPORTS1 mit deutschem Kommentar.

© dpa-infocom, dpa:201007-99-860984/2

Englisch kommentierter Stream

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