Los Angeles (dpa) - 1,7 Millionen in der Spitze: So viele Menschen schauten dem Entwickler Riot Games zufolge am ersten Tag der geschlossenen Beta gleichzeitig das neue Spiel Valorant auf Twitch. Ein Rekord - nur das Finale der League-of-Legends-Weltmeisterschaft 2019 hatte mehr.

Valorant ist der neue Taktik-Shooter von LoL-Entwickler Riot Games. Das Spiel soll erst im Sommer erscheinen, läuft aber derzeit in einer geschlossenen Beta, zu der zunächst nur ausgewählte Personen eingeladen waren. Doch wer deren Streams auf Twitch schaut, hat eine kleine Chance, selbst zur Beta eingeladen zu werden - was die Streamingzahlen zweifelsohne in die Höhe schnellen ließ.

Max "Frodo" Krüger gehört zu der Gruppe an Streamern, die von Anfang an dabei waren. "Mein erster Eindruck war der, den jeder andere auch hatte: Das ist praktisch CS:GO, nur ein bisschen anders, ein bisschen frischer", sagt er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Das Spielprinzip von Valorant ähnelt dem von Counter-Strike: Global Offensive stark. Zwei Teams mit je fünf Spielerinnen und Spielern treten gegeneinander an. Ein Team spielt dabei im Angriff und versucht, den sogenannten Spike zu platzieren, der nach einiger Zeit explodiert. Das andere Team versucht, diese Explosion zu verhindern.

Beide Teams können eine Runde aber auch mit der Eliminierung der gegnerischen Mannschaft gewinnen. Sogar Waffen und Equipment können vor Beginn jeder Runde gekauft werden. Und nach der Halbzeit gibt es einen Seitenwechsel.

"Gunplay, Waffenauswahl, Movement und komplettes Spielprinzip wie CS" twitterte der Streamer Maximilian "HandOfBlood" Knabe Anfang April. "Dachte, ich spiel ne CSGO Mod." Aber er schrieb auch: "Valorant wird vermutlich oder gerade deswegen ein guter E-Sport-Titel werden."

Das sieht Frodo ähnlich: "Du hast was, das frisch ist, aber du hast auch eine Grundbasis, von der du weißt, dass sie funktioniert."

Denn Valorant besitzt einige Neuigkeiten, die das Prinzip grundlegend verändern. Statt stets gleichen Spielfiguren gibt es verschiedene Agentinnen und Agenten, die jeweils vier Fähigkeiten besitzen.

Im Gegensatz zu vergleichbaren Spielen wie Overwatch steht jedoch wie in CS:GO das Spiel mit den Waffen im Vordergrund. "Die Fähigkeiten sind in den meisten Fällen so gebaut, dass sie die Waffen eher komplementieren", sagt Frodo. "Ich habe auch schon Runden gehabt, wo ich gar keine Fähigkeiten benutzt habe."

Während Counter-Strike dazu mit einem realitätsähnlichen Grafikstil der umstrittene Ruf als "Killerspiel" anhängt, sieht Valorant comicartiger aus und ist gewaltärmer. "Der Grafikstil ist realistisch genug, um jetzt nicht direkt als Kinderstil verschrien zu werden", sagt Frodo. "Ich persönlich mag es, dass es ein bisschen sauberer ist als CS:GO und Overwatch. Du hast kaum etwas, das dich ablenkt."

Was schon bei der Ankündigung des Spiels klar war: Riot Games will einen neuen E-Sport-Titel etablieren. Dafür hat das Studio nun auch seine ersten Pläne konkretisiert. Die Szene solle organisch wachsen, heißt es in in einem Blogeintrag von Whalen "Magus" Rozelle, Senior Director of Global Esports bei Riot. "Wir wollen nichts zu schnell forcieren, ohne zu wissen, was für die E-Sport-Fans am besten ist."

Dafür wolle man zunächst mit externen Turnierorganisatoren zusammenarbeiten. Ein Franchise-Modell wie in League of Legends könnte dann zu einem späteren Zeitpunkt folgen.

Die Frage ist jedoch, ob sich Valorant zwischen CS:GO, Overwatch und Rainbow Six Siege behaupten kann. "Ich weiß nicht ob eine Koexistenz möglich sein könnte", sagt Frodo im Bezug auf die Ähnlichkeiten zwischen dem Riot-Spiel und Counter-Strike. "Sie sind sich halt eben schon zu ähnlich."

Infos zur Beta von Valorant

Blogpost von Riot zu E-Sport-Plänen