Mannheim (dpa) - Mannheims Eishockey-Trainer Pavel Gross blieb auch nach dem Finaleinzug kritisch und konzentriert. So früh wie möglich nach nur vier Halbfinalpartien stand fest, dass die Adler erstmals seit 2015 um den Titel spielen.

Zufrieden war der 50-Jährige aber auch nach dem entscheidenden 4:2 bei den Kölner Haien noch lange nicht. Doch der Plan und der radikale Umbruch der Mannheimer mit Gross hat schnell die erhoffte Wirkung gezeigt und könnte auf Anhieb mit der Meisterschaft schon in der ersten Saison komplett aufgehen.

"Er geht absolut die Extrameile für den Club. Das ist es, was uns in diesem Jahr die Stärke gibt", schwärmte Geschäftsführer Daniel Hopp bei MagentaSport. Der Sohn des Milliardärs Dietmar Hopp hob die Mentalität des Deutsch-Tschechen hervor: "Er arbeitet mit einer großen Akribie, mit sehr viel Disziplin, mit einer großen Konsequenz und ist hinter jedem Detail her."

Für die Duelle mit Köln waren die Mannheimer so präzise eingestellt, dass die Serie mit 4:0-Siegen für den Hauptrunden-Ersten schnell zu Ende ging. Die Adler können sich nun mehr als eine Woche pflegen und auf die entscheidenden Spiele vorbereiten - die möglichen Final-Gegner München und Augsburg reiben sich in einem intensiven Vorschlussrunden-Duell dagegen weiter auf. Am 18. April beginnt in der eigenen Arena die Finalserie. "Wir haben den Finaleinzug erreicht. Das ist gut. Jetzt wollen wir weitermachen", versprach Olympia-Kapitän Marcel Goc.

Wie erfolgreich die Mannheimer bisher auftreten, zeigt sich nach dem Punkterekord in der Hauptrunde nun auch in den Playoffs an der Statistik. Eine Halbfinalserie ohne Niederlage war selbst dem dominantem EHC Red Bull München beim Titel-Hattrick in den vergangenen drei Spielzeiten nicht geglückt. Letztmals schafften dies auch die Mannheimer 2015 - bei ihrem bisher letzten Titelgewinn.

Gross kam im vergangenen Sommer aus Wolfsburg nach Mannheim, um die Dominanz von München zu beenden. Nach einer desolaten Vorrunde 2017/18, die in den Playoffs mit dem Halbfinale noch ein versöhnlicheres Ende fand, hielt der Adler-Macher den radikalen Schnitt für alternativlos. Schließlich passen die hohen Ansprüche des siebenmaligen Meisters genau zu denen von Gross.

In seinen zehn erfolgreichen Jahren in Wolfsburg hatte sich Gross einen solchen Ruf erarbeitet, dass er auch als Bundestrainer gehandelt worden war. Mit den Niedersachsen war der frühere Mannheimer Meisterspieler im Finale gegen München 2016 und 2017 jedoch jeweils chancenlos geblieben. Mit den finanzstärkeren Adlern bietet sich ihm nun die Chance auf den ersten DEL-Titel als Trainer.

Gross hatte am Dienstagabend dennoch Grund zum Mäkeln. "Ich weiß nicht, ob das souverän war", nörgelte er. Dabei hatte sein Team mit Effizienz schnell alle Zweifel beiseite gewischt: Luke Adam erzielte das wichtige Führungstor (11.). Andrew Desjardins und Garrett Festerling trafen binnen 34 Sekunden in Überzahl (28.), Ben Smith (32.) legte nach. "Wir haben einen besseren Killerinstinkt gezeigt und die Tore zum richtigen Zeitpunkt geschossen", bilanzierte Gross.

Neben dem Trainer ist Nationaltorhüter Dennis Endras ein Garant für den Erfolg in den Playoffs. Selbst Gross hob den 33-Jährigen ungefragt heraus. Seine Mitspieler überhäuften ihn mit Lob. Nur drei Tore ließ er in vier Partien gegen Köln zu. Zwei davon fielen im letzten Drittel, als alles entschieden war. Hält Endras seine Form aufrecht, kann er auch gegen München oder Augsburg eine entscheidende Stütze sein. "Es ist egal, gegen wen es im Finale geht", sagte Gross.

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