Leuna (dpa) l Wasserstoff wird als „grün“ bezeichnet, wenn er CO2-neutral hergestellt wird. Erzeugt wird er, indem Wasser in seine Bestandteile (Wasserstoff und Sauerstoff) gespalten wird. Dies geschieht mittels Elektrolyse. Bei diesem Verfahren wird laut dem Fraunhofer-Institut in Halle viel Strom benötigt, weshalb die Erzeugung von „grünem Wasserstoff“ im industriellen Maßstab noch nicht wirtschaftlich ist.

Dies wollen die Wissenschaftler ändern und in der neuen Pilotanlage testen, wie Wasserstoff kostengünstig und in großen Mengen produziert, transportiert und gespeichert werden kann.

Das Land beteiligt sich mit rund 8 Millionen Euro am Bau der insgesamt 9,25 Millionen Euro teuren Anlage, wie Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) sagte. „Sachsen-Anhalt verfügt bei Wasserstoff-Technologien über erhebliche Potenziale und kann sich in den kommenden Jahren zur Wasserstoff-Modellregion weiterentwickeln“, erklärte er.

Die Pilotanlage in Leuna soll den Angaben nach im Frühjahr 2021 fertig sein und rund 25 Mitarbeiter beschäftigen. Darin arbeiten Wissenschaftler des Fraunhofer-Zentrums für Chemisch-Biotechnologische Prozesse CBP in Leuna und dem Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS in Halle zusammen.

In der Europäischen Union soll binnen zehn Jahren die Nutzung von klimafreundlichem Wasserstoff stark ausgebaut werden, um die Energiewende voranzutreiben. Die EU-Kommission legte dazu kürzlich ihre Strategie vor. So sollen mit öffentlicher Unterstützung bis 2024 die Kapazitäten auf eine Million Tonnen Wasserstoff aus erneuerbaren Energien wachsen – sechsmal so viel wie heute. Bis 2030 sollen es zehn Millionen Tonnen sein.

Ideale Bedingungen in Sachsen-Anhalt

Schon heute ist Wasserstoff einer der wichtigsten Rohstoffe für die mehr als 600 Unternehmen, die das mitteldeutsche Chemiedreieck bilden. Bisher wird er aus fossilen Rohstoffen gewonnen, mit entsprechend hohen CO2-Emissionen. Der Ansatz der neuen Pilotanlage setzt auf nachhaltige Quellen: Strom aus Photovoltaik- oder Windkraftanlagen wird genutzt, um mittels Elektrolyse Wasserstoff aus Wasser zu erzeugen. Künftig sollen Grundchemikalien und Kraftstoffe im Chemiepark Leuna mit HIlfe von „grünem Wasserstoff“ hergestellt werden.

Rund 100 000 Normkubikmeter Wasserstoff pro Stunde benötigt die Mitteldeutsche Chemieregion, hauptsächlich am Industriestandort Leuna für ihre chemischen Prozesse. Bislang wird der benötigte Wasserstoff konventionell aus Erdgas gewonnen. Damit ist die Chemieregion nicht nur einer der größten Nutzer von Wasserstoff, sondern auch einer der größten Emittenten von CO2.

„Sachsen-Anhalt bietet dafür ideale Standortbedingungen“, sagte Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) am gestrigen Donnerstag beim Spatenstich für die Pilotanlage. „Hier wird viel Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt, zugleich haben wir mit den Unternehmen der Chemieindustrie eine große Nachfrage nach Wasserstoff, obendrein ein bestehendes Pipeline-Netz und Speichermöglichkeiten. Wir haben frühzeitig auf diese Technologie gesetzt und sind nun in einer exzellenten Ausgangsposition, um ihre Potenziale für die Wirtschaft in der Region nachzuweisen.“