Groß Rosenburg l An der Einfahrt prangt ein unübersehbares Banner mit der Aufschrift „Jägers Erdbeergarten“. Was in den Winter- oder Herbstmonaten etwas deplatziert wirkt, bekommt jetzt Konjunktur.

Einen großen Anteil daran haben Insekten, ohne die Christoph Jäger seine tausenden Blüten mit dem Staubpuschel bestäuben müsste, wie es zum Teil heute in China geschieht. „Die Hummeln sind richtig per Post in zwei Paketen angeliefert worden“, erzählt Jäger. Der Postbote habe sich über das „merkwürdige Summen“ gewundert, das aus den Kartons drang. Die kleinen Helferlein bestäuben nicht nur mehr Blüten als etwa Honigbienen (bis zur fünffachen Menge), sie tun das auch gleichmäßiger und effektiver. Das liegt an der speziellen Vibrationstechnik, die Hummeln beim Sammeln von Blütenstaub anwenden. In der Blüte dient dieses Vibrieren dazu, den Blütenstaub aus den Staubgefäßen zu schütteln. Reicht das Schütteln alleine nicht aus, wenden Hummeln einen Trick an: Sie brummen in unterschiedlichen Tonlagen. Der freigesetzte Blütenstaub bleibt im dichten Hummelpelz hängen, der bei der Futtersuche von Blüte zu Blüte getragen wird.

Klotzen statt Kleckern

Betrieb der Rosenburger früher den Erdbeer-Anbau eher im Nebenerwerb, ließ er das Kleckern und fing an mit Klotzen. „Wir haben 2016 sechs Folienzelte aufbauen lassen“, sagt Jäger. Die Kosten: bis zu 80.000 Euro. Die Tunnel sind stattliche 250 Meter lang und 6,50 Meter breit. Drei der sechs sind jetzt erntebereit - die anderen nehmen Jungpflanzen auf. Die Folien werden von Stahlbügeln getragen, Tropfbewässerung und Düngung übernimmt ein hauseigenes System.

In je sechs Reihen reifen die Erdbeeren unter relativ optimalen klimatischen Bedingungen heran. Ende April, als die Außentemperatur vormittags bei mickrigen sechs Grad herum kümmerte, sorgte der Gewächshaus-Effekt für mollige 25 Grad im Inneren. Jedenfalls wenn die Sonne schien. „Auf alle Fälle blieben die Zelte frostfrei“, streicht Christoph Jäger mit der Hand über die Folie, von der das Kondenswasser tropft. Damit meint er die kritischen Tage Anfang April, als Kältegrade den Obstbauern Sorgenfalten ins Gesicht trieben. Da stellte er Paraffin-Kerzen auf, die sich allerdings nicht bewährt hätten.

Zelte werden erwärmt

Jetzt werden die Zelte mit Gasbrennern erwärmt. In der „Blühphase“ sollte die Temperatur nicht über 25 Grad steigen, deswegen werden die Folientunnel an der Front und Seite geöffnet.

Apropos, Temperatur. Derweil in den Zelten die Erdbeeren zu Prachtfrüchten heran reifen, wie ist es dann mit den Freiland-Brüdern, denen die Frühjahrskälte zusetzen kann? „Dafür habe ich Frostschutzberegner“, sagt der 51-Jährige. Durch Frostschutzberegnung wird verhindert, dass Nachtfröste den Blütenstock schädigen oder gar ganz vernichten. So paradox es klingt: Die vereisten Blüten werden vor dem Frost geschützt. In potenziellen Minus-Nächten ist für Christoph Jäger die Nacht um 3 Uhr vorbei. Die „gefährlichste Zeit“ liege zwischen 4.30 und 7 Uhr. Auf seinen Freilandfeldern übernehmen dieselbetriebene Pumpen das Beregnen.

Womit der Erdbeerbauer leben muss, ist die Einstellung mancher Zeitgenossen, die Mein und Dein verwechseln. So kommt es im Frühsommer immer wieder zum Feldklau. „Die Leute graben sich aber auch Pflanzen für ihren Garten aus. Das ist fast noch schlimmer“, erzählt der Rosenburger. Wenn er sie dabei ertappt, halte sich die Reue in Grenzen. („Nun haben Sie sich mal nicht so, wegen so ein paar Pflanzen ...“)

Jägers Erdbeergarten setzt in erster Linie auf Direktvermarktung. „Ich habe keine guten Erfahrungen mit großen Handelsketten gemacht“, gesteht der 51-Jährige. Der Preisdruck von Früchten aus Spanien sei zu hoch. Dennoch sind die Rosenburger Früchtchen in den nächsten Tagen auch in Supermärkten wie Edeka zu haben. „Eine frische Erdbeere schmeckt eben besser, als eine, die lange Transportwege hinter sich hat. Das haben die Kunden und Märkte erkannt.“

Zehn rote Verkaufsstände

Christoph Jäger betreibt einige Flächen, auf denen die Kunden selber pflücken können. Seine zehn roten Verkaufsstände (natürlich) in Erdbeerform wird man im Frühsommer an potenziellen Verkaufsorten finden.