Drömling l Die majestätischen Vögel mit ihren langen roten Schnäbeln und dem lauten Klappern begeistern die Menschen in jedem Jahr wieder aufs Neue. In der westlichen Altmark gibt es in vielen Ortschaften Storchenhorste. Und die Einwohner halten dann schon frühzeitig Ausschau und warten auf die Rückkehr von Meister Adebar und seiner Gattin und freuen sich, wenn der Horst wieder besetzt wird und die Störche mit dem Brutgeschäft beginnen.

Auch im Biosphärenreservat Drömling hat sich im Laufe der Jahrzehnte die Storchenpopulation positiv entwickelt. 51 besetzte Horste und 39 Brutpaare, die 93 Jungtiere aufzogen, weist die Statistik für das Jahr 2019 aus. „Das ist ein absoluter Höchstwert“, betonte Wolfgang Sender, Fachbereichsleiter für Artenschutz, im Volksstimme-Gespräch. Zum Vergleich: 1990 habe es gerade mal 30 Storchenpaare im Drömling gegeben. Wie genau die Entwicklung im Einzelnen aussieht, darüber können sich Einheimische und Besucher jetzt an speziellen Schildern informieren. Insgesamt zwölf Schilder wurden an den Horsten aufgebaut, die beginnend mit dem Jahr 2018 und jetzt 2019 über die Bruterfolge des Weißstorchs im Drömling informieren.

Positive Entwicklung bei vielen Vogelarten

An der Aktion Weißstorchschilder hatte sich neben Sender mit Harald Reich auch noch ein Drömlingsbewohner beteiligt, der öfter bei solchen Projekten als Helfer mit im Einsatz ist. Die Schilder werden nun jährlich aktualisiert. Doch auch die Entwicklung bei anderen Vogelarten sei überaus positiv zu sehen im Laufe der Jahrzehnte. So habe sich sogar der Seeadler wieder im Naturpark angesiedelt. Zu DDR-Zeiten seien die Bestände drastisch reduziert worden. Bestimmte Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft hätten dazu geführt, dass die Eierschalen derart dünn geworden seien, so dass sie beim Brüten kaputt gegangen waren. „Und das in Kombination mit dem Abschuss dieser Tiere ließ die Greifvögel fast verschwinden“, sagte Sender.

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Nach der Wende wurden die Vögel unter strengen Schutz gestellt. Und das wirkte sich zum Positiven aus. „Das erste Seeadlerpärchen wurde hier 1999 gesichtet. Das war für uns damals schon eine große Sensation“, erzählte Sender.

Drömling mittlerweile auch Winterquartier

Ein Seeadlerbrutpaar gebe es im niedersächsischen Teil des Drömlings, und zwei im sachsen-anhaltischen Drömling. Eines davon brüte in der Kernzone des Biosphärenreservats, die sich im ehemaligen Grenzgebiet bei Breitenrode, Buchhorst, Jahrstedt und Böckwitz befinde. Für diesen Bereich gelte ein ganzjähriges, absolutes Betretungsverbot. Perspektivisch sollen dort auch wieder Moorflächen angelegt werden. In der Kernzone gebe es aktuell auch acht Kranichbrutpaare. „Zu DDR-Zeiten war es gerade mal ein Paar. Das war Grenzgebiet, da ist ja schließlich auch keiner hingekommen“, so Sender. Das mache aber auch deutlich, wie zu DDR-Zeiten mit der Natur umgegangen worden sei.

46 Kranichreviere seien ausgewiesen. 33 Brutpaare hätten 17 Jungtiere aufgezogen. War der Drömling für die Kraniche ursprünglich vor allem nur eine Raststation während ihrer Reise ins Winterquartier, würden jetzt schon viele Tiere im Drömling überwintern. „Die Kraniche waren eigentlich immer die ersten Frühlingsboten. Das ist heute nicht mehr so“, sagte Sender. Allein 1300 Kraniche hätten sich im Drömling ihr Winterquartier eingerichtet.

Heimstatt von Sing- und Höckerschwänen

Bei den Saat-, Bläß- und Graugänsen konnten im Oktober bis zu 10 000 Exemplare an der Flachwasserzone in Pieplockenburg beobachtet werden. Den ganzen Winter über waren immer mal wieder einzelne Gruppen von bis zu 500 Gänsen auf Äckern und überfluteten Flächen zu sehen. Darunter konnten vereinzelt auch Kanada-, Weißwangen-, Kurzschnabel- oder Zwerggänse ausgemacht werden, so Sender. Im Januar dieses Jahres fand eine Schwanenzählung statt. Demnach haben im Drömling etwa 400 Singschwäne und 400 Höckerschwäne ihre Heimstatt.

Das Schleiereulenprogramm habe ebenfalls Erfolge gebracht. „Wir gehen davon aus, dass in fast jedem Ort ein Paar brütet“, so Sender. Der Waldkauz sei flächendeckend vorhanden. An den Drömlingsrändern sei die Waldohreule zu Hause. Der Steinkauz allerdings habe seit Jahrzehnten nicht mehr nachgewiesen werden können. 91 besetzte Biberreviere konnten registriert werden.

60 Ehrenamtliche im Einsatz

Darüber hinaus lebten im Drömling 14 Fledermausarten. Bei Kartierungsarbeiten konnten im vorigen Jahr zwei neue Arten gesichtet werden. „Die Mückenfledermaus und die Bechsteinfledermaus, und das ist schon etwas Besonderes“, zeigte sich Ulf Damm erfreut, der sich als Ranger im Biosphärenreservat auf die Fledermäuse spezialisiert hat. Leider habe im vorigen Jahr das Mausohr nicht mehr nachgewiesen werden können. „Aber 14 verschiedene Arten, das ist schon ein guter Bestand“, betonte Damm.

Im vorigen Jahr konnten zudem 10 000 Besucher im Informationszentrum Kämkerhorst begrüßt werden. Das erste Drömlingsfest in Kunrau zählte 20 000 Besucher. 13 Kitas beteiligten sich am Waldfuchs-projekt. In drei Schulen seien Junior-Ranger aktiv. Denn ein Schwerpunkt der Biosphärenreservatsverwaltung sei die Nachwuchsförderung in Sachen Umwelt- und Naturschutz. Für Vorschulkinder wurde die Moorwichtelgruppe ins Leben gerufen, für die Sieben- bis Elfjährigen gebe es die Biberbande. Die Älteren (bis 17) können sich bei den Volunteer-Rangern engagieren. Im Biosphärenreservat sind 60 Ehrenamtliche im Einsatz, darunter 40 Menschen mit Behinderungen. 25 zertifizierte Natur- und Landschaftsführer übernehmen Führungen von Besuchergruppen.