Unterschneidheim (dpa/tmn) - Ein roter Mantel auf der dünnen Folie, beim Auspacken knistert es. In die Schokolade eingeritzt ein langer Bart, beim Reinbeißen knackt es. Der Schokoweihnachtsmann ist ein Klassiker der Weihnachtszeit. Doch was macht ihn überhaupt so unwiderstehlich?

Schokoladen-Sommelière Stefanie Bengelmann kennt sein süßes Geheimnis. "Viele bevorzugen den Schokoladenweihnachtsmann, weil die verwendete Schokolade dünner ist als in der klassischen Tafel", weiß die Expertin. Es käme aber noch ein anderer Grund dazu: Der Nostalgie-Faktor. "Ein Schokoweihnachtsmann weckt bei vielen Kindheitserinnerungen. Man denkt beim Genießen an Traditionen und das besondere Flair der Weihnachtszeit. Das geht mir übrigens genauso", schwärmt Bengelmann.

Schokostatuen mit persönlichen Botschaften

Deshalb stellt sie in ihrem eigenen Betrieb auch am liebsten Schoko-Figuren her. "Sogar lieber als klassische Tafeln, denn die Schokostatuen kann man noch viel raffinierter verfeinern", sagt die Schokoladenkünstlerin. Man könne etwa persönliche Botschaften und grafische Details in die erkaltete Kakaomasse ritzen oder die Figürchen mit Marzipanapplikationen verschönern. "Es ist immer was fürs Auge dabei - da denke ich mir immer "Ach, wie schön!"".

Damit die schmackhaften Figuren pünktlich zur Vorweihnachtszeit fertig werden, schließt Bengelmann die Produktplanung schon Mitte September ab. "Auch wenn es eine stressige Zeit ist und ich viel zu tun habe - so komme ich gut organisiert in die besinnliche Vorweihnachtszeit und kann die zauberhafte Atmosphäre voll genießen."

Schokofiguren kann man durchaus auch zu Hause selber herstellen. "Entweder für sich oder als ein Geschenk für die Lieben", macht Bengelmann Mut. "Zunächst braucht man eine saubere, spezielle Schokoladenform. Sie sollte frei von Wasser, Fettschlieren und Spülmittelresten sein", erklärt die Expertin. Denn solche Rückstände sehe man sonst auf der fertigen Figur.

Der Trick mit dem Wattebausch

Vor dem Befüllen mit der geschmolzenen Schokolade sollte man die Form mit einem Wattebausch polieren. "Wenn sie schön glänzt, dann sieht man das auch auf der fertigen Figur", verrät Bengelmann ihr Geheimnis.

Auch wenn die Schokofiguren sehr dünn erscheinen, sie sind in Wahrheit vielschichtig. "Jede Form wird im Schnitt zwei Mal mit Schokolade gefüllt. Bei größeren Figuren sind es sogar fünf Durchgänge", sagt die Schokoladen-Sommelière. Damit es mit der heimischen Herstellung der Figuren klappt, sei es wichtig, nicht zu dickflüssige Schokolade zu verwenden.

Und woran erkennt man geeignete Schokolade? "Einen Hinweis gibt der Kakaobuttergehalt. Je höher dieser ist, umso dünnflüssiger ist die eingeschmolzene Schokolade", weiß Bengelmann. Auch vor Kuvertüre müsse man nicht zurückschrecken. "Viele gehen davon aus, dass Kuvertüre die schlechtere Schokolade sei. Doch dem ist nicht so", stellt die Expertin klar. Denn Kuvertüre enthalte oft weniger Fremdfette, was sie hochwertiger macht. Vergleichen in der Backwaren-Abteilung lohne sich.

Schokomasse besser in die Form pinseln

Bengelmann hat noch einen Tipp parat: Die flüssige Schokomasse mit einem Backpinsel in die Weihnachtsmannform streichen. Das ginge einfacher als eingießen.

Eine kleine Herausforderung ist es allerdings, die Schokolade einzuschmelzen. "Man kann sie nämlich nicht einfach verflüssigen, sie muss temperiert werden, das heißt Stück für Stück auf eine Temperatur von 29 bis 30 Grad bei Vollmilchschokolade kommen", so Bengelmann. Für Zartbitter-Schokolade brauche man eine etwas höhere Temperatur von 31 Grad, für weiße Schokolade etwas niedriger, so zwischen 28 und 29 Grad.

Ihr Tipp: "Grundsätzlich empfehle ich immer, Schokolade in Stücken einzuschmelzen. Wer mag, kann hierfür Schokochips verwenden." Es sei auch wichtig, die Masse kontinuierlich durchzurühren.

Ist die Schokolade in der Form noch nicht ganz abgekühlt, kann man sie mit bunten Streuseln oder Zuckerperlen verzieren. "So bekommt der Kindheitsklassiker Schokoweihnachtsmann eine ganz persönliche Note", findet Bengelmann.

   

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