Magdeburg l Ein Feldversuch an Windenergieanlagen in Norwegen zeigt: Ist ein Rotorblatt schwarz gestrichen, hilft das Vögeln, dem Rotor auszuweichen. Forscher vom Norwegian Institute for Nature Research hatten im norwegischen Windpark Smøla die Rotorblätter von vier Anlagen schwarz gefärbt. Vier Windräder ließen sie unverändert, um sie als Kontrollgruppe zu nutzen.

Anschließend dokumentierten sie über drei Jahre die Zahl der verendeten Vögel unter den Anlagen. Das Ergebnis: Vor allem bei Greifvögeln wie dem Seeadler gingen die Verluste stark zurück, insgesamt um über 70 Prozent. Martin Kolbe vom Rotmilanzentrum des Landes Sachsen-Anhalt in Halberstadt kann der Studie viel abgewinnen. Aus einer Sicht könnte das schwarzlackierte Rotorblatt helfen, um etwa Rotmilan und Mäusebussard noch besser zu schützen.

Es bräuchte, so Kolbe, allerdings eine länger angelegte Studie auch bei anderen Vogelarten, um weitere Aufschlüsse über die Effekte zu erhalten. In Sachsen-Anhalt gibt es insbesondere beim Rotmilan-Bestand einen anhaltenden Negativtrend. Jährlich nimmt der Bestand um ein bis zwei Prozent ab. Nach aktuellen Zahlen wurden bislang 100 Rotmilane bei Kollisionen getötet. Auch Mäusebussarde sind gefährdet. 80 verendeten an Windrädern. Die Dunkelziffer bei beiden dürfte weit höher sein, nur die aufgefundenen Tiere können gezählt werden.Warum könnte ein schwarzer Flügel helfen? „Die Netzhaut der Vögel ist zu langsam, sie nehmen das Rotorblatt wie ein verwischtes Rad wahr“, erklärt Kolbe den Ansatz der norwegischen Forscher. Ein schwarz angestrichener Rotor würde diese Scheibenoptik auflösen und wäre für die Vögel besser zu registrieren, sagt Kolbe.

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Eine Pilotstudie hierzulande müsste dennoch klären, ob das hilft. Denn der Rotmilan jage seine Beute im Suchflug. Dabei blicke er nach unten und nicht nach vorn, wo das Rotorblatt lauern könnte. Umzusetzen wäre der Anstrich eines Flügels für die Betreiber von Windanlagen ohne Mühe, so der Experte.

Ein Problem sieht Kolbe bei der Akzeptanz durch den Menschen. Windräder werden bislang bewusst grau gefärbt, damit sie sich vom Himmel nicht zu stark abheben. Ein schwarzer Flügel wäre stärker wahrnehmbar und könnte das Akzeptanz-Problem befeuern.

Konzepte zum Schutz von Vögeln gibt es bereits. Anlagen werden zunehmend nur dort platziert, wo keine Konflikte mit Vögeln zu erwarten seien, sagt Kolbe. Nicht nur der Abstand zu Nistplätzen ist eine Maßnahme. Es gibt auch Entwicklungen zu automatischen Abschaltungen von Windenergieanlagen, etwa bei Vogelzug. Vögel-Detektionssysteme erkennen die Art, versuchen sie zu vergrämen oder zu stoppen, wenn sie sich auf Kollisionskurs befinden.

Die Stendaler Windenergie-Firma Fefa arbeitet in Osterburg an einem Pilotprojekt, bei dem Vögel im Umfeld von Windkraftanlagen per Radar erfasst werden.