Berlin (dpa) - Nikolaus Brender hatte nie den Ruf, konfliktscheu zu sein. Gerhard Schröder, auf Krawall gebürstet, erklärte ihm in der Elefantenrunde nach der Bundestagswahl im September 2005 vor laufender Kamera, er bleibe Bundeskanzler - "auch wenn Sie dagegen arbeiten" - ein starker Vorwurf an den Moderator und damaligen ZDF-Chefredakteur.

Brender reagierte sofort: "Sie haben von Medienmacht und Medienkampagne gesprochen. Ich weise Sie darauf hin, dass der ARD und dem ZDF dies nicht vorzuwerfen ist."

Die Szene hat Mediengeschichte geschrieben. Schröder (SPD) blieb dann doch nicht Bundeskanzler, Angela Merkel (CDU) wurde neue Regierungschefin. Und Brender machte noch mehrfach als ein Journalist von sich reden, der auf Unabhängigkeit pocht und gegenüber Politikern stets selbstbewusst auftritt. Am Donnerstag (24. Januar) wird er 70 Jahre alt.

Mindestens so prominent wie für die Auseinandersetzung mit Schröder ist Brender noch für einen anderen Streit: den um den Einfluss der Parteien auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Der damalige hessische CDU-Ministerpräsident Roland Koch hatte angekündigt, dass Brenders Vertrag als ZDF-Chefredakteur nach 2010 nicht verlängert werden solle. Der ZDF-Intendant sprach sich für Brender aus. Aber die nötige Mehrheit im ZDF-Verwaltungsrat, dessen stellvertretender Vorsitzender Koch war, erhielt Brender nicht und musste abtreten. "Ein Schulbeispiel für den Parteieneinfluss" nannte der "heute-journal"-Moderator Claus Kleber den Fall Brender später.

Mit dem Thema beschäftigte sich schließlich das Bundesverfassungsgericht. Es urteilte 2014 unter anderem, dass in den Aufsichtsgremien des ZDF wie dem Verwaltungsrat nur noch höchstens ein Drittel der Mitglieder staatsnah sein dürften. Für die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks war das eine erhebliche Stärkung. "Die Verkündigung des Urteils in Karlsruhe selbst mitzuerleben, gehörte zu den schönsten Momenten meines Nach-Berufslebens", sagte Brender kurz vor seinem runden Geburtstag.

Bei öffentlich-rechtlichen Sendern hat Brender den Großteil seines beruflichen Lebens verbracht: Schon fürs Volontariat ging er 1978 nach dem Jura-Studium zum damaligen Südwestfunk (SWF, heute SWR). Dort arbeitete er als Redakteur und Reporter, wechselte später in die Redaktion der ARD-"Tagesthemen", war fünf Jahre lang ARD-Auslandskorrespondent in Buenos Aires, dann beim WDR unter anderem Auslandschef und Fernsehprogrammchef. Und schließlich von 2000 bis 2010 ZDF-Chefredakteur.

Inzwischen lebt der mehrfach ausgezeichnete Journalist in Berlin - für Brender "die spannendste Stadt zur Zeit in dieser Republik mit einer Kulturszene, die sich nicht nur in den großen Häusern wiederfindet". Für die Zukunft hat er sich vorgenommen, sich bei der von Klaus Ott von der "Süddeutschen Zeitung" ins Leben gerufenen Initiative "Journalisten an Schulen" zu engagieren. "Denn ich spüre gerade bei jungen Leuten, wie verzerrt sie die Arbeit von Journalisten sehen."